Formel 1 im TV: Serien, Filme und Dokus

Die Formel-1-Saison 2020 ist Geschichte, die Saison 2021 erlebt einen packenden WM-Kampf. Wer nicht genug bekommen kann von der Droge Königsklasse, für den habe ich einen TV- und Streaming-Guide zusammengestellt.

Diese Filme, Dokumentationen und Serien sollte jeder Formel-1-Fan gesehen haben:

„SCHUMACHER“

Netflix | 2021 | Doku

Wie geht es Michael Schumacher? Diese Frage beschäftigt Formel-1- und Sport-Fans seit 2013. In einer neuen Dokumentation wird diese Frage so eindeutig wie noch nie zuvor von der Familie des siebenmaligen Weltmeisters beantwortet. In den bewegenden, emotionalen Schluss-Sequenzen der Doku sieht man Ehefrau Corinna mit Tränen in den Augen sagen: „Michael hat uns immer beschützt, jetzt beschützen wir Michael.“

In der neuen Dokumentation erhält man aber nicht nur sehr persönliche Einblicke von der Familie Schumacher, sondern lernt auch den Rennfahrer Schumacher besser kennen – seinen harten Anfang, seinen rasanten Aufstieg, seinen fulminanten Triumph. Eine wunderbare Hommage und Huldigung eines großen Champions.


„Bad Boy Billionaires“

Netflix | 2020 | Doku

Geldwäsche, Veruntreuung, Betrug – es sind viele, schwerwiegende Vorwürfe, mit denen sich Vijay Mallya konfrontiert sieht. Wie konnte es dazu kommen? Der exzentrische, ehemalige Besitzer des Formel-1-Teams Force India (heute unter dem Namen Racing Point bekannt) steht im Mittelpunkt der neuen Netflix-Dokuserie „Bad Boy Billionaires„. In der ersten Folge wird der „König der guten Zeiten“ und sein Untergang porträtiert.

Wer schon immer wissen wollte, wie Mallya sein Imperium vom Schnapsbaron zum Flugzeug- und Formel-1-Teambesitzer aufgebaut hat, der sollte sich die einstündige Folge ansehen. Ehemalige Wegbegleiter und auch sein Sohn kommen darin zu Wort. „Sie brauchen einen Sündenbock. Jemanden, an dem sie ein Exempel statuieren können“, glaubt Sohn Sid. Der wilde, extravagante Lebensstil wurde Mallya sen. schließlich zum Verhängnis. Eine spannende Geschichte über den Aufstieg und Fall des indischen Milliardärs.


„Fernando“

Amazon Prime | 2020 | Doku-Serie

Der legendäre österreichische ORF-Kommentator Heinz Prüller hat Fernando Alonso einst als „sympathisch, zurückhaltend und bescheiden“ beschrieben. Das war noch vor seiner McLaren-Saison 2007, Crashgate und dem „GP2-Engine“. Seither ist viel passiert, der Asturier wird von seinen Kritikern gern „Skandalonso“ geschimpft. Er sei zu politisch, zu temperamentvoll und eigenwillig.

In der neuen Amazon-Serie „Fernando“ lernt man den zweifachen Formel-1-Weltmeister von einer anderen Seite kennen. Als Analytiker, Perfektionisten und harten Arbeiter. Auch seine humorvolle Seite kommt zum Vorschein. In den fünf Episoden wird er zum Chamäleon: Alonso im Rallye-Auto in der Wüste bei der Rallye Dakar, Alonso im LMP1-Boliden bei den 24 Stunden von Le Mans und Alonso im IndyCar bei den 500 Meilen von Indianapolis. Besonders spannend werden die Unterschiede der Serien beleuchtet, oder auch das Scheitern beim Indy 500.

Und die Formel 1? Die kommt nur am Rande vor, in Rückblenden auf glorreiche Siegesfeiern oder in den vielen Fragen nach seinem Comeback. Das wird dann wohl Inhalt der zweiten Staffel sein, die bereits geplant ist.


„Fangio“

Netflix | 2020 | Doku

Wer ist der größte Formel-1-Fahrer aller Zeiten? Diese Frage scheidet die Geister in der Motorsport-Szene nicht erst seit dem siebten WM-Titelgewinn von Lewis Hamilton. Viele ehemalige Rennfahrer und Beobachter sagen noch heute: „Fangio„. Der Argentinier war der erste Serienweltmeister der Königsklasse.

In einer eineinhalbstündigen Dokumentation auf Netflix wird die Geschichte hinter dem historischen Namen entstaubt. Man erfährt, dass der damals bereits 39-Jährige bei seinem Formel-1-Debüt in seiner Heimat ein Star war. In Europa veredelte er seine Motorsportkarriere und wurde zu einem der größten Rennfahrer aller Zeiten. Noch heute hält er etwa die höchste Siegquote!


„Williams“

(Netflix*) | 2017 | Doku

Sir Frank Williams ist eine der ganz großen Persönlichkeiten der Formel 1. Er hat den britischen Traditionsrennstall als Familienbetrieb zu WM-Titeln geführt. 2020 endete seine Ära als Teamchef offiziell, das Team wurde von der Familie verkauft. Der Gründer selbst zog sich allerdings schon vor ein paar Jahren aus der Öffentlichkeit zurück. Aktuell liegt er in „stabilem Zustand“ im Krankenhaus.

Ein Anlass, um sich die außergewöhnliche Geschichte des Rennstalls und der Familie Williams in der Dokumentation von 2017 noch einmal anzusehen. Man erfährt darin, wie viel Frank Williams für sein Team getan hat – sogar am Hochzeitstag fuhr er nach der Trauung wieder in die Fabrik. Gemeinsame Familienurlaube mit dem Vater gab es nie, erinnert sich Claire Williams. Dafür waren öfter mal Weltmeister zum Abendessen im Elternhaus zu Gast.

Besonders berührend wird es am Ende, als Claire ihrem Vater aus dem Buch ihrer Mutter vorliest. Ginny Williams starb 2013 an Krebs.

(* Leider konnte ich die Dokumentation auf Netflix nicht mehr finden. Auf DVD oder BlueRay ist der Film aber weiterhin erhältlich.)


„Roland Ratzenberger“

„Der lange Weg zum kurzen Glück“

Amazon Prime | 2019 | Doku

Imola 1994. Jeder Formel-1-Fan weiß, was an diesem „schwarzen Wochenende“ in Italien passiert ist, als die Sonne vom Himmel fiel. Mit dem Österreicher Roland Ratzenberger und dem Brasilianer Ayrton Senna starben auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari gleich zwei Rennfahrer an einem Wochenende. Beide Todesfälle haben die Motorsportwelt schockiert.

Dem damals recht unbekannten Rookie aus Salzburg hat der ungarische Dokumentarfilmer Peter Levay diesen Film gewidmet. Darin lernt man den sympathischen Ratzenberger näher kennen. Man erfährt von seinen Eltern, Freunden und Wegbegleitern, wie er es bis in die Königsklasse geschafft hat. Ein steiniger Weg, der nur zum sehr kurzen Glück führte. An seinem dritten Grand-Prix-Wochenende starb er im Qualifying im Simtek-Boliden bei einem Unfall.


„Weekend of a Champion“

Amazon Prime | 1972 | Doku

Sir Jackie Stewart ist heute der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister. Dass der Schotte überhaupt 81 Jahre alt werden konnte, ist ein Wunder. Denn er fuhr in der Königsklasse zu einer Zeit, in der in jeder Saison mindestens ein Fahrer im Rennauto ums Leben kam. In der Dokumentation „Weekend of a Champion“ fängt Roman Polanski das Lebensgefühl der 1970er-Jahre ein.

Ein Wochenende lang begleitet der Regisseur seinen Freund beim prestigeträchtigen Grand Prix von Monaco. Durch die enge Bindung der beiden Männer erhält der Zuseher Einblicke hinter die Kulissen wie selten zuvor. Wer verstehen möchte, wie die Formel 1 in den Anfängen funktioniert hat und vor allem wie viel sicherer der Sport geworden ist, für den lohnt sich ein Blick zurück in die Ära des dreimaligen Weltmeisters.


„Rush“

Amazon Prime | 2013 | Spielfilm

Selten zuvor hat es ein Weltmeisterschaftskampf zwischen zwei Piloten auf die großen Kinoleinwände in Hollywood geschafft: Das verfilmte Duell der Saison 1976 zwischen Niki Lauda und James Hunt wurde zum Kassenschlager und hat den Motorsport auch einem Publikum außerhalb der Formel-1-Blase zugänglich gemacht.

Die Geschichte ist eingefleischten Fans bereits bekannt: Der Partylöwe Hunt versucht in seinem Leben am Limit den analytischen Pragmatiker Lauda herauszufordern. Playboy gegen Arbeitstier, McLaren gegen Ferrari. Der Feuerunfall auf dem Nürburgring machte den Österreicher zur Legende. Ebenso sein Kampf zurück ins Rennauto und seine Rennaufgabe in Japan. Sein Leben war ihm dann doch wichtiger als ein weiterer WM-Titel.


One – Leben am Limit

Amazon Prime/ YouTube-Films | 2013 | Doku

Geschwindigkeit und Risiko standen in der Vergangenheit in der Formel 1 oftmals im krassen Gegensatz zur Sicherheit. Das mussten einige Rennfahrer mit ihrem Leben bezahlen. Ein Umdenken setzte erst spät ein. Vorreiter wie Jackie Stewart, Niki Lauda oder Ayrton Senna engagierten sich für ein stärkeres Bewusstsein und verbesserte Konzepte.

In dieser Dokumentation wird die Entwicklung des Sports mit Fokus auf den Sicherheitsgedanken nachgezeichnet – von einem Zirkus zu einem der professionellsten und sichersten Sportarten der Welt. Aktualität hat dieser Film vor allem nach dem schrecklichen Feuerunfall von Romain Grosjean in Bahrain wiedererlangt. Wären seine Vorgänger nicht für eine verbesserte Sicherheit der Autos und Strecken eingetreten, wäre der Franzose womöglich nicht mit dem Leben davongekommen.


„McLaren“

Ein Leben auf der Überholspur“

Amazon Prime/YouTube Films | 2017 | Doku

Hinter einem erfolgreichen Rennstall stand in der Frühzeit der Formel 1 meist ein besessener Teamgründer, das war nicht nur bei Williams der Fall. Ein weiteres traditionsreiches Team hatte einen „Petrolhead“ aus Leidenschaft als dessen Urvater: McLaren.

In der Dokumentation wird das Leben und Werk des Neuseeländers Bruce McLaren mit vielen Originalaufnahmen beleuchtet. Besonders beeindruckt die Loyalität und Hingabe aller, die mit dem McLaren-Team in Verbindung standen. Die Reise an die Spitze des Motorsports zu einem der erfolgreichsten Rennställe aller Zeiten ist ergreifend. Und auch heute noch aktuell, schließlich befindet sich die Mannschaft gerade wieder im Aufstieg.


Crash and Burn

Amazon Prime/YouTube Films | 2016 | Doku

Meist schaffen es nur die Erfolgsgeschichten auf die Leinwände dieser Welt. Diese Dokumentation wählt hingegen einen ganz anderen Zugang: In eineinhalb Stunden lernen die Zuseher einen britischen Rennfahrer kennen, der in jungen Jahren als Nachwuchstalent galt und gar in einem Atemzug mit Ayrton Senna genannt wurde. Aber der Name Tommy Byrne wurde keine Marke, der Ire wurde kein Weltmeister und Superstar.

Warum? Am fahrerischen Talent scheiterte seine Karriere nicht. Die Doku versucht aufzuarbeiten, warum Byrne kein neuer James Hunt wurde. Beobachter und Wegbegleiter aus der britischen Motorsport-Szene beleuchten die Hintergründe.


„Ronnie Peterson“

„Rennfahrer. Draufgänger. Legende.“

Geo Films/TV NOW | 2017 | Doku

Ronnie Peterson zählte in den 1970er-Jahren zu den Größen in der Formel 1. Er galt als furchtlos und extrem talentiert. Der Schwede wird in dieser Dokumentation porträtiert und auch jüngeren Fans bekannt gemacht. Sein Tod in Monza 1978 gilt bis heute als große Tragödie.

Oft wurde der „Super Schwede“ vom Pech verfolgt, konnte sein Talent auf der Rennstrecke nicht voll ausspielen und wurde oftmals nur Zweiter. Posthum wurde er nach seinem Tod zum Vizeweltmeister erklärt. Eine spannende Geschichte über einen Hoffnungsträger, der viel zu früh gestorben ist.


„Senna“

Amazon Prime | 2011 | Doku

Für manche Formel-1-Fans gilt er noch heute als der größte Rennfahrer aller Zeiten: Ayrton Senna da Silva. Der Brasilianer hat die Massen begeistert und berührt. Er war Mensch und Mythos zugleich. Gläubig, schüchtern und zuvorkommend abseits der Rennstrecke, aggressiv, ehrgeizig und egoistisch auf der Piste.

Die viel beachtete Dokumentation „Senna“ aus dem Jahr 2011 – mittlerweile ein Klassiker – versucht, die Faszination einzufangen. Unsterblich wurde er durch seinen tragischen Tod am 1. Mai 1994 in Imola. Für manche lebt er noch heute.


Drive to Survive

Netflix | 2020 | Serie

Wer hinter die Kulissen der aktuellen Königsklasse blicken möchte, der muss sich die ersten beiden Staffeln der Netflix-Serie „Drive to Survive“ ansehen. Die Kameracrew erlangt Zugang zum Fahrerlager und zu den Hauptdarstellern des Sports. Ein spannender Saisonrückblick auf die Jahre 2018 und 2019.

Die dritte Staffel, die die aktuelle Saison behandeln wird, sollte im Februar des kommenden Jahres erscheinen. Bis dahin müssen sich die Fans mit einer Rückschau auf die Vorjahre begnügen. Im Mittelpunkt stehen das Haas-Team samt interner Reibereien, Daniel Ricciardos Wechsel von Red Bull zu Renault oder Pierre Gaslys Demontage im Topteam.


„Willy T. Ribbs“

Sky Sports F1 | 2020 | Doku

Sky Sports F1 hat in dieser Saison den Zeitgeist aufgegriffen und die Geschichte des ersten Schwarzen in einem Formel-1-Boliden in dieser Dokumentation aufgearbeitet. Willy T. Ribbs war ein Pionier und Vorreiter. 1986 durfte er im Brabham in Estoril an offiziellen Formel-1-Tests teilnehmen.

Zwar trat er nie zu einem Grand Prix an, doch schaffte er den Sprung in eine Premium-Rennserie. Ribbs startete unter anderem bei den Indy 500. Seine Karriere war aufgrund seiner Hautfarbe allerdings nicht die einfachste. „Jeder, der das Gegenteil behauptet, lügt„, sagt er heute. Daher begrüßt er auch Lewis Hamiltons Kampf gegen Rassismus.


„Jochen Rindt“

Sky Sports F1 | 2020 | Doku

50 Jahre ist es nun her, dass Jochen Rindt in Monza 1970 tödlich verunglückte. Der Österreicher (mit deutschen Wurzeln) war danach der erste und bislang einzige Pilot, der posthum zum Weltmeister gekrönt wurde. Sky Sports F1 widmete sich der Karriere des Ausnahmekönners in dieser Doku.

Schon früh entdeckte Rindt die Leidenschaft zum schnellen Autofahren. Mit Jugendfreund Helmut Marko veranstaltete er illegale Straßenrennen. Er schaffte es bis in die Formel 1 und zeigte dort schon bald, dass er nicht nur gekommen war, um mitzufahren. Österreich verdankt ihm die Motorsport-Begeisterung im Land, die bis heute anhält.

UPDATE: Leider ist die Dokumentation im deutschsprachigen Raum nicht mehr verfügbar.


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