MotoGP 2018: Die zehn Thesen im Check

Der 3. Adventssonntag ist angebrochen. Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn heute feiert dieser Blog Geburtstag! Vor fünf Jahren haben ich hier über meine große Leidenschaft zu schreiben begonnen. Was seit 2013 alles passiert ist, kann man nur schwer in Worte fassen. Ich durfte mich mit zahlreichen interessanten Persönlichkeiten aus der Motorsport-Szene unterhalten und dies mittlerweile zu meinem Beruf machen.

Zu Jahresbeginn habe ich ein ausführliches Interview mit Motorrad-Legende Gustl Auinger geführt. Gemeinsam haben wir auf die MotoGP-Saison 2018 vorausgeblickt. Dabei haben wir zehn Thesen behandelt. Wo lagen wir richtig und wo falsch? Die Thesen nach der Saison 2018 im Check.

#1 Valentino Rossi kann nicht genug bekommen. Er wird bei Yamaha einen neuen Vertrag unterschreiben

Richtig! Der bald 40-jährige Italiener hat noch vor Saisonbeginn 2018, genauer gesagt am 15. März, bestätigt, dass er noch mindestens bis Ende 2020 in der MotoGP an den Start gehen wird. Auinger war da schon skeptischer, er war sich nicht sicher, ob „Vale“ tatsächlich noch einmal unterschreiben werde. Allerdings hat der Yamaha-Pilot noch einen großen Traum: den zehnten WM-Titel. Den konnte er sich auch in der abgelaufenen Saison nicht erfüllen. Zum ersten Mal überhaupt blieb er in einer Saison auf der M1 sieglos.

Auinger lag hingegen mit seiner Einschätzung des Kräfteverhältnisses 2018 komplett richtig. „Ich sehe Honda und Ducati ganz oben. Auch Suzuki hat eine Lehre aus dem vergangenen Jahr gezogen. Diese drei Teams sind sehr gut aufgestellt aus meiner Sicht.“ Tatsächlich hieß das Duell 2018 Honda vs. Ducati. Außerdem feierte Suzuki nach einem durchwachsenen Jahr 2017 in dieser Saison mit Alex Rins und Andrea Iannone gleich neun Podestplätze.

#2 Marc Marquez liebäugelt mit einem Wechsel zu KTM, sollte er mit Honda 2018 nicht den siebten WM-Titel einfahren

Nein. Denn der Spanier ist zumindest für den Moment glücklich bei den Japanern. 2018 demonstrierte er erneut sein großartiges Talent. Zwar siegte er auch in der Sturzstatistik mit insgesamt 23 Crashs – er haderte außerdem mit einem Schulterproblem, weshalb er sich vor wenigen Wochen operieren ließ -, doch das stoppt einen Marc Marquez nicht. Bereits in Motegi, dem Heimspiel von Honda, krönte er sich vorzeitig zum erneuten Weltmeister. Wieder stellte der 25-Jährige neue Meilensteine auf. Sein fünfter WM-Titel im sechsten MotoGP-Jahr, der siebte insgesamt. Nur noch zwei fehlen auf Rivalen Rossi, mit dem er auch 2018 wieder seine Fehde ausgetragen hat (Stichwort: #TermasClash).

Spannend wird sein, wie sich Marquez bei Honda fühlt, wenn Jorge Lorenzo 2019 Druck macht. KTM jedenfalls holt sich mit Dani Pedrosa Marquez‘ Ex-Teamkollegen als Testfahrer ins Team. Die Österreicher fahren das Projekt MotoGP im kommenden Jahr mit vier Bikes (Werksteam plus Kundenteam Tech 3) hoch. Johann Zarco soll neben Pol Espargaro für Topergebnisse sorgen. Auinger prophezeite seinen Landsmännern ein „schwieriges Jahr“, da die Erwartungen mit jedem Rennen steigen. Doch beim Saisonfinale in Valencia sorgte man für die Sensation: Espargaro wurde im Regenrennen Dritter.

#3 Jorge Lorenzo wird auch 2018 an Andrea Dovizioso scheitern, der die Desmosedici besser versteht und mit Selbstvertrauen aus der Saison 2017 kommt

Richtig! Wieder lagen wir mit unserer These richtig. Lorenzo mühte sich zu Saisonbeginn 2018 erneut ab. Doch man muss ihm auch zugute halten, dass wenn er die Ducati im Griff hatte, er um Siege mitgefahren ist. In Mugello und Barcelona schien der Knoten nach dem Doppelerfolg endlich geplatzt zu sein. Doch das war zu spät, um Ducati noch zu überzeugen. Man hatte sich bereits darauf geeinigt, am Ende der Saison getrennte Wege zu gehen. Die zweite Saisonhälfte wird außerdem von zwei Stürzen überschattet: Zunächst verletzt sich Lorenzo in Aragon am Fuß, danach folgte ein wilder Highsider in Thailand – vier Rennen Pause. Lorenzos ernüchternde Ducati-Bilanz: Drei Siege, insgesamt sieben Podestplätze und drei Pole-Positionen in zwei Jahren.

„Dovi wird ihm bestimmt wieder den Hintern anzünden, weil er den besten Mittelweg über die gesamte Saison gesehen fahren kann. Er wird auch seinen Titelkampf 2017 nicht als Eintagsfliege stehenlassen“, sagte Auinger richtig vorher. Dovizioso war am Ende erneut Marquez‘ einzig verbliebener Gegner im Titelkampf, doch aufgrund zu vieler Eigenfehler verbaute er sich auch 2018 alle Titelhoffnungen. Am Ende fehlten dem Italiener satte 74 WM-Punkte. Dennoch reichte es erneut für den Vize-Weltmeistertitel.

#4 Johann Zarco wird in der ersten Saisonhälfte noch sein erstes MotoGP-Rennen gewinnen, wird aber aufgrund seiner Aggressivität erneut viel Kritik ernten

Falsch! Der Franzose konnte mit Tech 3 zwar erneut aufzeigen, blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. „Er hat durchaus die Möglichkeit, in der ersten Saisonhälfte schon seinen ersten Sieg einzufahren“, meinte Auinger vor Saisonstart. Am Ende bleibt jedoch die bittere Erkenntnis: Ganz hat es nicht gereicht. Zarco kam wie 2017 in seiner Rookie-Saison auf insgesamt drei Podestplätze und wurde erneut Gesamtsechster, damit bester Satellitenfahrer. Allerdings schrammte er mit den zweiten Plätzen in Argentinien und Jerez knapp an den ersten 25 Punkten vorbei. Besonders zu Saisonmitte verlor er etwas den Faden, gegen Ende hin schaffte er mit dem dritten Platz in Malaysia noch ein Stockerl.

Beim Grand Prix von Australien sorgte Zarco außerdem für eine der Schrecksekunden des Jahres: Ende Start-Ziel krachte er bei über 200 km/h Marc Marquez ins Heck und flog spektakulär ab. Zum Glück blieb der Franzose dabei unverletzt. „Johann schenkt einfach nichts her“, wusste Auinger schon vor Saisonbeginn.

#5 Jonas Folgers MotoGP-Traum ist nach seinem Rückzieher geplatzt

Jein. Der Deutsche pausierte zwar die gesamte Saison 2018, um sich von seinen gesundheitlichen Problemen zu erholen. Er ist jedoch wieder zurück. Wenn auch nur als Testpilot. Denn Yamaha zählt nun auf seine Dienste, Valentino Rossi und Maverick Vinales vertrauen auf seine Erfahrung. Bereits bei den Tests in Valencia saß Folger wieder auf der M1, ein kleines Comeback also. Auch Auinger hatte „Sorge“, dass Folger keinen MotoGP-Vertrag mehr bekommen könnte. Aber die Geschichte scheint für den Moment zumindest ein Happy End gefunden zu haben. Ob Folger allerdings noch einmal Einsatzfahrer wird, bleibt abzuwarten.

#6 Suzuki wird mit Alex Rins auf das Podium fahren, während Andrea Iannone weiterhin strauchelt

Ebenfalls Jein. Denn Alex Rins war klar die Entdeckung der zweiten Saisonhälfte. Der Spanier fühlte sich auf der GSX-RR wohl und sorgte regelmäßig für Podestplätze. In der zweiten Jahreshälfte landete er insgesamt sechsmal in den Top 5, dreimal stand er auf dem Podium. In Malaysia und Valencia wurde er jeweils knapp Zweiter. 2019 strebt der WM-Fünfte seinen ersten MotoGP-Sieg an. Dann wird er auch der Leader im Team neben Rookie Joan Mir sein.

Andrea Iannone begann das Jahr hingegen besser. Er startete mit Podestplätzen in Austin und Jerez, strauchelte danach allerdings erneut. Stürzte auch mehrfach, weshalb Rins zur Nummer 1 im Team aufstieg. Iannone hingegen verbreitete einmal mehr schlechte Stimmung, da er nicht verstehen konnte, warum man mit ihm 2019 nicht weiterfahren möchte. Er musste gezwungenermaßen zum schwächeren Aprilia-Team abwandern. Und in der WM wurde er nur Gesamtzehnter mit über 30 Punkten weniger als Rins.

#7 KTM wird 2018 das erste MotoGP-Podium einfahren

Lange sah es nicht danach aus. Vor allem heftige Verletzungen warfen die gebeutelte Mannschaft immer wieder zurück. Die Entwicklung litt ebenso darunter, da auch Testfahrer Mika Kallio eine schwere Knieverletzung von einem Sturz auf dem Sachsenring davontrug. Nummer-1-Fahrer Pol Espargaro verunfallte ebenso unschön, er brach sich das Schlüsselbein, nachdem er bereits in der Saisonvorbereitung geschwächt war. Bradey Smith, der 2019 zu Aprilia als Testpilot wechselt und MotoE fährt, musste die Fahne hochhalten.

Das Saisonende war jedoch mehr als versöhnlich aus österreichischer Sicht: Pol Espargaro wurde Dritter in Valencia. Außerdem feierte man in der Moto3 einen Sensationssieg mit dem jungen türkischen Talent Can Öncü (er gewann bei seinem allerersten Antreten). Und Miguel Oliveira, der 2019 in das Tech-3-Team aufsteigen wird, gewann das Abschlussrennen der Moto2, in der er Vizeweltmeister wurde.

#8 Takaaki Nakagami wird sich mit Franco Morbidelli um den Titel „Rookie des Jahres“ duellieren

Nein. Da lagen wir etwas daneben. Denn Franco Morbidelli, der Rossi-Schützling und Moto2-Champion 2017, entschied die Wertung für sich. Allerdings: Ganz so eindeutig war die Angelegenheit nicht. Denn Hafizh Syahrin auf der Tech-3-Yamaha hielt stark dageben, was viele überraschte. Der Malaie wurde für seine Leistungen mit einem Vertrag für 2019 belohnt. Er wird bei Tech 3 nun Teamkollege von Oliveira.

Und Morbidelli, der am Ende vier Punkte mehr sammeln konnte, wird im neuen Yamaha-Kundenteam antreten. Er sorgte bei den Tests in Valencia und Jerez bereits für Begeisterung mit zwei sechsten Plätzen. Wieder einmal wird deutlich, dass die Yamaha für Rookies deutlich einfacher zu fahren ist als die Honda. Und wieder einmal sollte Auinger recht haben: „Rein vom Fahrerischen her sollte Morbidelli vor Nakagami sein“, wusste er schon vor Saisonbeginn.

#9 Tom Lüthi wird beim Saisonauftakt Punkte holen

Leider nein. Es ist wohl eine der größten Enttäuschungen 2018: das Jahr des Tom Lüthi. Der Schweizer kämpfte vom ersten Rennen in Katar bis zum letzten in Valencia mit oder gegen seine Marc-VDS-Honda. Am Ende die desaströse Bilanz: null Punkte in 19 Rennen. Lüthi hatte das Glück nicht auf seiner Seite und suchte nach der Saison offen nach Antworten für das missglückte Abenteuer MotoGP. 2019 wird der Schweizer zurück in die Moto2 wechseln, in der er bereits zuvor zehn Jahre erfolgreich war. Auinger meinte noch: „Sein Punkterl wird er schon machen.“ Doch dazu sollte es nicht kommen.

#10 Die Ducati ist das beste Bike 2018, jedoch können sich Yamaha und Honda auf die Fahrkünste ihrer Topstars verlassen

Ja und nein. Die Desmosedici war 2018 gemeinsam mit der Honda das Maß aller Dinge. Allerdings nur für jene Topstars, die ihr Arbeitsgerät perfekt beherrschten. Andrea Dovizioso und Marc Marquez. Beide haben jahrelange Erfahrung mit den jeweiligen Bikes. Beide Werke schafften noch einen Schritt in der Entwicklung. Yamaha hingegen hinkte erneut hinterher. Wie schlimm die Krise geworden ist, zeigt sich anhand der Vorkommnisse in Österreich. In Spielberg sahen sich die Yamaha-Verantwortlichen gezwungen, sich bei ihren Fahrern öffentlich zu entschuldigen. Rossi und Vinales drängten auf Veränderung, die in Japan nicht stattfand. Daher erlebte man die größte Durststrecke der Teamgeschichte, bis Vinales in Australien endlich einen Sieg feiern konnte. Es sollte der einzige Yamaha-Triumph 2018 bleiben.

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