MotoGP-Vorschau 2018: Wer wird bester Rookie?

Im sechsten und damit auch letzten Teil der MotoGP-Saisonvorschau mit ServusTV-Experte und Motorrad-Legende Gustl Auinger dreht sich einen Tag vor dem Katar-Grand-Prix alles um den Nachwuchs. Mit Takaaki Nakagami (LCR-Honda), Franco Morbidelli (Marc-VDS-Honda), Tom Lüthi (Marc-VDS-Honda), Xavier Simeon (Avintia-Ducati) und Hafizh Syahrin (Tech-3-Yamaha) treten gleich fünf Rookies am Sonntag ihr erstes MotoGP-Rennen an. Wer wird am Ende Nachfolger von Johann Zarco?

Bei den Testfahrten duellierten sich Nakagami und Moto2-Champion Morbidelli bereits um die Ehre der Neulinge. Vor allem Tom Lüthi hatte noch Mühe, sich nach zehn Jahren in der mittleren Klasse auf das MotoGP-Bike einzustellen. Nakagami hat den Vorteil, mit Cal Crutchlow einen erfahrenen Teamkollegen an seiner Seite zu wissen, die Moto2-Titelkontrahenten Morbidelli und Lüthi müssen bei Marc VDS nun an einem Strang ziehen. Wird der Japaner am Ende des Jahres also die Oberhand gewinnen?

Auinger: „Rein vom Fahrerischen her müsste man Morbidelli vor Nakagami sehen. Er ist ein grandioser, und von seiner Art her absoluter Rennfahrer. Aber ich glaube, er ist nicht im richtigen Team. Eine Honda zu fahren, ist super, aber es ist sehr abhängig vom Team, was man aus dem Paket machen kann. Das Team hat mit Marc van der Straaten einen Gönner, der ein toller Mensch ist. Er hat eine große Freude mit dem Team. In der Moto2 sind sie sehr gut, aber in der MotoGP sehe ich sie nicht als Topteam.“

Qatar Day Two

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„Deshalb sehe ich Nakagami vorne, weil er von Honda besonders gefördert wird und mit LCR ein sehr erfahrenes, professionelles Team hat. Mit Crutchlow als Nummer-1-Fahrer, von dem man jederzeit etwas lernen und dadurch profitieren kann. Das fehlt Morbidelli. Außerdem weiß jeder, dass er ein Schützling von Valentino Rossi ist und er die Hand da drauf hat. Daher weiß ich nicht, ob von Honda-Seite wirklich alle Register gezogen werden, damit er das Maximum zur Verfügung hat. Ich glaube auch, dass er zu den Top-Rookies gehört und von der Fahrerqualität her eigentlich der Rookie schlechthin wäre, aber dass er kein Maximum abliefern wird können, weil das Team eine große Rolle spielt. Dieses Team kann diese große Rolle nicht unbedingt erfüllen.“

Der Schweizer Tom Lüthi wird 2018 der einzige deutschsprachige Fahrer in der Königsklasse sein, wie schätzen Sie seine Chancen ein?

Auinger: „Seine Punkterl wird er schon machen, das gönne ich ihm auch. Er ist ein guter Rennfahrer, das hat er in der Moto2 schon bewiesen. Er hatte immer auch in der zweiten Saisonhälfte noch Power. Ich halte sehr große Stücke auf ihn. Jetzt habe ich gesagt, dass Morbidelli nicht das Topteam hat, um die Erwartungen zu erfüllen, die man in ihn setzt. Tom ist aber die Nummer 2 in diesem Team. Daher wird er es sehr schwer haben, weil die Honda kein einfaches Motorrad ist. Aber auch, weil das Team mit zwei Rookies alle Hände voll zu tun hat, um ihnen zu helfen, die entsprechenden Entwicklungsschritte zu machen.“

„Tom wäre der perfekte Teamkollege von Johann Zarco gewesen. Er wäre der Ersatzpilot von Jonas gewesen, weil er dort leichter Fuß fassen hätte können. Für ihn persönlich ist es extrem schwierig, weil er die ersten Tests auslassen musste (Fußverletzung; Anm.), außerdem greift ihm die Honda vom Motorrad-Typ her nicht wirklich unter die Arme. Das Team als solches bewegt sich außerdem am Limit. Das sind drei Punkte, die man nicht von der Hand weisen kann. Die spielen im Einstiegsjahr eine große Rolle. Und dann kommt noch etwas hinzu: Wer gibt wem wie viel Zeit.“

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War es ein Fehler von Marc-VDS, zwei Rookies zu verpflichten?

Auinger: „Nein, das Team hat die Mittel dazu. Es ist immer besser zwei Fahrer zu haben, weil man dadurch automatisch mehr Daten und Erfahrungen sammelt. Es ist ein sehr fleißiges Team, aber aus meiner Sicht fehlt die letzte Klasse, um so richtig auf den Tisch zu hauen. Ich glaube auch nicht, dass es am Geld scheitert, weil van der Straaten genug Geld hat und er das genießt, das ist sein Hobby. Aber es kommen einfach ein paar Faktoren zusammen.“

„Als die Einheitselektronik eingeführt wurde, haben Honda und Ducati erkannt, dass die nicht so einfach zu verstehen ist. Sie haben sofort einen Top-Techniker von Magneti Marelli gekauft. Und warum hat das Yamaha nicht gemacht? Weil sie gesagt haben, dass es nicht so viele gute Leute dort gibt. Das ist bei Marc VDS ebenso. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Fahrern, die Weltmeister werden können und eine begrenzte Anzahl von Teams. Ob das ein Redding war, oder ein Miller war, oder auch Nicky Hayden. Auch der ist einmal mit so einer Honda gefahren und war im nirgendwo. An diesem Punkt hat Morbidelli bestimmt zu knabbern, und entsprechend auch Tom.“

Die ausführliche Analyse gibt’s in der März-Ausgabe von Rally & more!

Weiterführende Links:

Beitragsbild Fotocredit: Marc VDS

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