MotoGP-Vorschau 2018: Marquez‘ Hintertür KTM?

Im zweiten Teil der MotoGP-Vorschau 2018 hat Gustl Auinger über die besondere Eigenschaft von Weltmeister Marc Marquez (Honda) gesprochen. Außerdem nehmen wir die Chancen eines zukünftigen Marquez-Wechsels zu KTM und das österreichische MotoGP-Projekt genau unter die Lupe.

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Dreimal stand Honda beim Thailand-Test in Buriram ganz an der Spitze. Sowohl Dani Pedrosa, als auch Cal Crutchlow waren auf dem 2018er-Bike sehr stark. In Katar war man etwas weiter zurück, dennoch lobte Marquez die gute Saisonvorbereitung, besonders der Motor hat an Power zugelegt. Ist Marquez also der Topfavorit für die bevorstehenden 19 Saisonrennen?

Auinger: „Warum Marquez immer wieder zu den Topfavoriten zählt, ist nicht nur, weil er ein Ausnahmekönner ist, sondern er hat eine Eigenschaft, die nur ganz, ganz wenige Fahrer haben. Wenn das Motorrad eine Schwachstelle hat, dann ist er in der Lage, diese Schwachstelle zu umfahren. Das können nicht viele. Viele Fahrer sehen nur das Problem, und hadern damit. Dadurch wird es aber nicht besser. Wenn er das Problem bis zur grünen Startampel nicht lösen kann, dann umfährt er es einfach. Das macht ihn so unglaublich stark.“

(Marquez beendete den Thailand-Test mit einem Crash am Sonntag)

Marquez hat seinen Vertrag mit Honda zwar bis Ende 2020 verlängert, könnten wir ihn dennoch bald auf einer KTM sehen?

Auinger: „Man muss zwei Dinge beachten: Wenn du einen so gut dotierten Vertrag wie bei Honda hast, dann gibt es kaum ein Werk, das mehr Möglichkeiten und Macht besitzt. Er ist mit dem Salär und dem Material bestens gesegnet. Vielleicht will er in die Geschichtsbücher eingehen und nicht nur mit Honda gewinnen. Jetzt kommt aber ein Argument seitens Mattighofen hinzu: Wenn Marquez zu KTM kommt, muss man sehr viel Geld in die Hand nehmen, damit er sich auf dieses Abenteuer einlässt. Wenn er dann mit KTM tatsächlich Weltmeister werden sollte, dann ist er der unschlagbare, unglaubliche Marquez. Wenn er es aber nicht wird, ist es die Schuld von KTM. Ich glaub nicht, dass ein großes Bestreben seitens KTM besteht, Marquez jetzt schon zu kriegen. Das Bestreben liegt eher darin, dass sie ein Motorrad hinstellen können, mit dem ein Red-Bull-KTM-Zögling aus den eigenen Reihen Weltmeister wird. Wenn KTM die Chance haben sollte, den Marquez zu kriegen, würden sie aber bestimmt nicht nein sagen.“

Was wird KTM 2018 zeigen? Ist das erste Podium fällig?

Auinger: „Ich würde es mir von ganzem Herzen für die Mannschaft wünschen. Sie haben ein unglaubliches Einstiegsjahr erlebt. Niemand hat das in dieser Form erwartet, weder diese Steigerung noch die Kontinuität. Jetzt steht man an einem Punkt, wo gefragt wird, ob das Podium möglich ist oder nicht. Top 5 ist schon das erklärte Ziel. Man muss aber überlegen, was passieren muss, um Fünfter zu werden. Wer sind die ersten Vier und alle anderen muss man schlagen.“

„Ich glaube, dass es ein sehr schwieriges Jahr wird, weil die Entwicklungsschritte in dieser Serie nicht mehr in solcher Größe machbar sind. Wenn es ihnen gelingt, von Anfang an ein einstelliges Ergebnis einzufahren, dann zieht’s mir die Schuhe aus vor Freude. Ich traue mich aber noch nicht, über ein Podium oder ein Top-5-Ergebnis zu reden. Natürlich kann es ein Podium geben, weil Jack Miller hat auch schon einen Grand Prix gewonnen. Ein großer Teil liegt jetzt bei den Kaufleuten, die nur die Platzierungen sehen, in weiterer Folge die Verkaufszahlen und den Gewinn, der Rechtfertigung für den finanziellen Einsatz ist. Die müssen auch verstehen, dass die Entwicklungsschritte nicht sofort auch ein Platzierungsplus ergeben.“

„Sie haben noch den Vorteil, dass sie vom Reglement her uneingeschränkt entwickeln dürfen. Das Schwierige wird jetzt sein, dass man trotz der Lobeshymnen die Füße auf dem Boden belässt und sich anschaut, wo man in der MotoGP gerade steht. Es gibt nichts Wichtigeres für Honda, diesen MotoGP-Titel zu holen, auch für Ducati gilt dasselbe, wie auch für Yamaha und Suzuki. Wenn man anfängt, Honda zu sekkieren, dann ziehen die alle Register. Damit meine ich nichts Bösartiges, aber alle Ressourcen werden sie nützen. Das ist zwar nicht nur bei Honda so, aber die haben nahezu kein Limit. Und in diesem Haifischbecken schwimmt KTM. Jetzt braucht es Kraft, Rückgrat und Augenmaß, damit man nicht unruhig wird. Mit der Unruhe ruiniert man sehr viel.“

Pol Espargaro musste den Thailand-Test aus gesundheitlichen Gründen (Rückenverletzung nach Sepang-Crash; Anm.) auslassen. Mit Bradley Smith und Mika Kallio war man in Thailand. Hat KTM die richtige Fahrerpaarung (Smith/Espargaro)?

Auinger: „Pol kann immer noch etwas drauflegen. Ich lehne mich jetzt sehr weit aus dem Fenster und behaupte, dass Bradley sicherlich nie MotoGP-Weltmeister werden wird. Ob es Pol einmal schafft, weiß ich auch nicht, aber Bradley ganz sicher nicht. Aber er ist ein fleißiger, guter Fahrer und hat von den KTM-Jungs in der Box immer das Attest bekommen, dass er ein sehr wertvoller Entwicklungspilot ist. Er kann die Entwicklungsschritte sehr gut mitgestalten, dass sie rechtzeitig und in die richtige Richtung kommend passieren. Das hat man immer schon gewusst.“

„Pol kann, wenn es um die Wurst geht, den Hintern zusammenzwicken und noch einmal zwei Zehntelsekunden herausdrücken, das kann Bradley nicht. Aber dafür ist er wertvoll in der Entwicklungsarbeit. Dieser ganze Zinnober rund um Bradley hat begonnen, weil sie mit Mika Kallio einen sehr wertvollen Testfahrer haben. Und weil Kallio in Spielberg ein Traumrennen hingezaubert hat (Platz zehn; Anm.). Dass dann Herr Pierer (Stefan Pierer, KTM-Chef; Anm.) zu Kallio geht und sagt, dass er nächste Saison Einsatzfahrer sein wird, damit hat er alle in Bedrängnis gebracht. Bradley hat eben einen Zweijahresvertrag – und aus meiner Sicht auch mit Recht. Bei den Tests in Thailand ist er außerdem auf Augenhöhe mit Kallio gewesen. Aufgrund seines Fachwissens und seiner Testfahrertätigkeit steht ihm der Platz absolut zu. Wir wissen außerdem nicht so genau, warum er hinter Pol hinterherhinkt. Und es gibt keinen Fahrer auf dieser Welt, der absichtlich langsamer fährt.“

Die ausführliche Analyse gibt’s in der März-Ausgabe von Rally & more!

Weiterführende Links:

Beitragsbild Fotocredit: Repsol Honda

4 Gedanken zu “MotoGP-Vorschau 2018: Marquez‘ Hintertür KTM?

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