MotoGP-Vorschau 2018: Steht Rossi vor dem Karriereende?

Die MotoGP-Saison 2018 steht vor der Tür. In sechs Teilen versucht Marie die wichtigsten Fragen vor dem Saisonauftakt in Katar zu beantworten – aber nicht allein. Motorradlegende Gustl Auinger hat sich mit seiner Expertise auf spannende Fragen eingelassen.

In diesem Text behandeln wir das Thema Yamaha. In der Vorbereitung ist bei Valentino Rossi und Maverick Vinales nichts nach Wunsch gelaufen. Beide Piloten hadern mit der M1. MotoGP-Experte Mat Oxley hat in seinem Beitrag schon gefragt: „Was ist los bei Yamaha?“ Vinales sprach nach Thailand vom schlechtesten Test, den er jemals mit dem Yamaha-Team absolviert hat. Deshalb stellt sich auch die Frage: Wird Valentino Rossi, dessen Vertrag Ende 2018 ausläuft, noch einmal unterschreiben?

Gustl Auinger: „Das ist sehr schwierig zu beantworten. Ich gehöre auch zu jenen, die Valentino sehr bewundern. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn lächeln sehe, weil er so viel Positives in den Motorradsport gebracht hat. Wenn man merkt, wie sehr jemand noch immer an einem Wunsch hängt, den er sich noch erfüllen möchte, dann freut man sich natürlich in jedem Moment mit. Ich denke allerdings, dass der Motorsport derzeit in einer sehr schwierigen Phase steckt.“

„Und zwar aus einem bestimmten Grund: Es gibt so eine enorme Leistungsdichte. Das wurde hervorgerufen durch das einheitliche Limit der elektronischen Steuerungshilfen. Denn im Grunde haben alle Motorräder zu viel Leistung. Es geht dabei nur darum, wie ich möglichst viel Leistung auf die Straße bringe. Dieses Fenster ist immer schmaler geworden. Außerdem ist das Limit der Reifen so klar und deutlich. Es gibt eine klare Grenze, daher sind die Zeiten so eng beisammen. Mit großartiger Erfahrung und dem nötigen Mut kann man dadurch keine Trumpfkarte mehr ausspielen. Deswegen habe ich die Angst, dass Vale die MotoGP nach 2018 verlässt. Er wird sich den Wunsch des zehnten Titels wahrscheinlich nicht erfüllen können.“

Ist die Yamaha nicht das beste Motorrad 2018?

Auinger: „Ich weiß, dass Yamaha eine fantastische Marke und ein tolles Team ist. Seit ich Yamaha kenne, haben sie nie das leistungsstärkste Motorrad produziert, sondern das fahrbarste Paket. 2017 sind sie etwas gestrauchelt und es ist nicht erkennbar, dass es 2018 vorbei sein wird. Sie haben nicht ganz klar gesagt: ‚Da liegt der Fehler, Kehrtwende und eine neue Richtung einschlagen.‘ Das sehe ich nicht.“

„Natürlich wird nicht jeder alle Karten aufdecken. Aber wie kann man sich bei Testfahrten in Zurückhaltung üben, wenn zwischen dem Ersten und dem Zehnten fünf Zehntelsekunden Zeitdifferenz besteht? Ich kann wie ein Abfahrer mal einen Schwung wo einlegen, aber dann fehlt eben eine Sekunde. Dann existiert man in der Zeitenliste praktisch gar nicht mehr. Deswegen habe ich ein bisschen Sorge.“

Wer sind dann die Favoriten für 2018?

Auinger: „Richtig stark ist aus meiner Sicht Honda. Marquez ist schnell, wie auch Pedrosa und Crutchlow. Und Cruchtlow ist ein Fahrer, der seinen Mund nicht halten kann. Wenn das Motorrad einen Schwachpunkt hätte, dann hätte Cruchtlow das schon an den Pranger gestellt.“

„Und Ducati hat mit Gigi Dall’Igna (Teamchef; Anm.) einen Mann im Köcher, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er ist ein unglaublich cleverer Kerl. Sie waren so knapp am Titel 2017 dran, das wird er nicht als Eintagsfliege auf sich sitzen lassen. Die 2017er-Ducatis waren bei den Tests sehr schnell, außerdem waren sowohl Lorenzo, als auch Dovizioso und Petrucci auf dem 2018er-Bike immer hellwach. Daher glaube ich, dass diese beiden Marken eine Wiederholung von 2017 vorhaben, das wird ein kräftiger Schlagabtausch. Das sehe ich in der Beständigkeit von Yamaha derzeit nicht.“

„Ich sehe Honda und Ducati ganz oben. Auch Suzuki hat eine Lehre aus dem vergangenen Jahr gezogen. Diese drei Teams sind sehr gut aufgestellt aus meiner Sicht. Von Yamaha wird natürlich auch erwartet, dass sie um den Titel kämpfen, aber das ist derzeit nicht hundert prozentig erkennbar.“

Auch die Körpersprache von Vinales war beim Thailand-Test eindeutig …

Auinger: „Vinales ist ein ganz besonderer Typ. Ich werde nie vergessen, wie er in der Moto3 die Honda gefahren ist und gemerkt hat, dass er alles gibt, sein Team aber nicht. Er ist dann heimgefahren am Rennwochenende, weil er den Einsatz von Teamseite nicht gesehen hat. Er ist sehr fokussiert. Ich dachte immer, er hätte keine Emotionen, aber die zeigt er sehr wohl. Er hat in Thailand eine Session hingelegt, wo er richtig schnell war. Danach war er wieder weiter weg. Das steuert man aber nicht bewusst. Wenn solche Dinge aber nicht sofort korrigiert werden können, dann ist der Wurm drin. Den Wurm zu finden, ist aber in dieser hochtechnologischen Umgebung wahnsinnig schwierig.“

Die ausführliche Analyse gibt’s in der März-Ausgabe von Rally & more!

Weiterführende Links:

Beitragsbild Fotocredit: Yamaha Racing

5 Gedanken zu “MotoGP-Vorschau 2018: Steht Rossi vor dem Karriereende?

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