Trackwalk: Formel Eis auf dem Red-Bull-Ring

Für das neue Jahr nehme ich mir eigentlich nie Vorsätze vor, da die Erfolgsquote gleich Null zeigt. Sich lieber gleich gar nicht enttäuschen lassen, so mein Gedanke. Da aber Bewegung grundsätzlich nicht schadet und nach den Weihnachtsfeiertagen und Neujahrsfestivitäten der Körperfettanteil wohl kaum abgenommen hat, musste ich raus an die frische Luft. In meiner Heimat, der wunderschönen Steiermark, war es rund um den Jahreswechsel zwar sehr kühl, aber herrlich sonnig.

Durch einen glücklichen Zufall habe ich davon erfahren, dass es in Spielberg die Möglichkeit gibt, zu dieser Jahreszeit eine Runde rund um den Red-Bull-Ring zu laufen – auf der Strecke. Das musste man mir nicht zweimal sagen. Ab auf die Piste.

Fotocredit: Maria Reyer

Mutterseelenallein geht es über eine offene Box auf die Start-Ziel-Gerade, die durch den Schnee noch eingefroren ist. Die Steigung rauf zur ersten Kurve darf man nicht unterschätzen. Der Puls steigt.

Castrol Edge - Kurve 1

Das erste Highlight der Streckenbesichtigung kommt bereits in Turn 1. Ich frage mich: Was ist eigentlich mit der Anbindung zur Westschleife, über die im Vorjahr viel spekuliert wurde, geworden? Auch ich habe meine Fühler im Murtal ausgestreckt und mich umgehört, was es mit der Anbindung des alten Streckenteils auf sich hat. Viel Konkretes hört man leider immer noch nicht.

Zuletzt war in einer Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA zu lesen, dass die Renovierung der Westschleife bereits bei der Übernahme von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz geplant gewesen sei. Helmut Marko erklärte bereits mehrmals, dass es Überlegungen in diese Richtung gebe. „Derzeit ist alles noch im Planungsstadium“, wird der Grazer zitiert. Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone wäre angetan: „Aus Fahrersicht ist das vielleicht schon interessant mit der alten Strecke. Die hat ja doch viel mehr die Männer von den Jungs getrennt als es heutzutage der Fall ist.“

Mit der Zusammenführung des alten und des neuen Streckenteils wäre man laut Red-Bull-Konsulent Marko eine der „attraktiveren aber vor allem schnellsten Rennstrecken“ weltweit. Erste bauliche Maßnahmen wurden bereits getätigt, scheitern könnte das Vorhaben aber an einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Nach diesem kleinen Abstecher abseits der regulären Rennstrecke geht es über die großzügige Auslaufzone in Kurve 1 in Richtung Remus. Der größte Anstieg steht also bevor. Mit etwas Anlauf und Blick auf den Bullen und den Schönberghof absolviere ich auch die erste lange Gerade mit Bravour.

Der Höhenunterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Strecke beträgt 65 Meter, von zwölf Prozent maximaler Steigung ist auf der offiziellen Homepage des Rings die Rede. Das merkt man dann auch, befindet man sich im Anflug auf die Remus-Kurve. Jene Kurve, in der es 2016 zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg gekracht hat.

Und schon bin ich auch an der zweiten Verbindungsstelle zwischen Red-Bull-Ring und Westschleife angelangt. Zu meinem Erstaunen war das Gelände links von der regulären Piste frei zugänglich. Es folgen die neuesten Fotos von der Westschleifenanbindung an die Remus-Kurve.

Anscheinend hat man bereits die Vorkehrungen für eine Schikane getroffen. Die baulichen Vorbereitungen für den Einbau von Randsteinen sind bereits erfolgt, was man auf den Bildern gut erkennen kann. Auch die mögliche Anbindung an die Remus-Kurve ist bereits zu erkennen. Überrascht hat mich vor allem die arge Steigung in der Remus selbst. Außerdem ist der Kurvenausgang beim Anbremsen auf die dritte Kurve noch gar nicht ersichtlich.

Nach der Erklimmung und der Erkundung der Bauarbeiten geht es nun etwas lockerer weiter über die lange Schönberg-Gerade, wo Kimi Räikkönen im Jahr 2015 einen heftigen Unfall mit Fernando Alonso verursachte. Den Leitplanken sah man den großen Crash übrigens nicht mehr an…

Es folgt einer der angenehmsten Streckenteile, es geht leicht bergab. Von der Schönberg-Geraden hat man einen tollen Blick über die gesamte Ring-Anlage. Der Bulle in der Mitte sorgt für eine fast zu kitschig anmutende Landschaftsidylle. Vorbei beim Schönberghof steuere ich nun die Rauch-Kurve, vielen auch unter „Gösser“-Kurve bekannt, an. Neo-Sauber-Pilot Pascal Wehrlein kennt Turn 4 wohl besonders gut. Stichwort: „Schieb ihn raus„.

Ein Streckenteil, der in der Fernsehübertragung meist gar nicht zur Geltung kommt, ist jener rund um die Pirelli-Kurve im Bullen-Infield. Mir war zuvor nicht bewusst, dass die Passage durch die Kurven 4, 5 und 6 doch so langgezogen ist. In diesem zweiten Sektor liegen außerdem die einzigen zwei Linkskurven der Rennstrecke: die Pirelli- und die Würth-Kurve (vormals Niki-Lauda-Kurve).

Den Bullen habe ich nun hinter mir gelassen. Nach dem engen Mittelteil geht es wieder etwas bergauf Richtung dritter Sektor. Ich tauche in den kleinen Waldabschnitt ein, der einzige abgeschottete Bereich des Kurses. In diesem schattigen Teil liegt mitunter am meisten Schnee. Es erwartet mich die einzige Kurve, die noch nach einem österreichischen Formel-1-Fahrer benannt ist.

Die Runde neigt sich schön langsam dem Ende zu. Es geht bis zur Boxeneinfahrt noch einmal ein schönes Stückchen bergab. Bis sich die letzte, zehnte Kurve, nun genannt Red Bull Mobile, vor einem auftut. Ist man in der Rindt-Kurve nicht zu weit nach außen auf das Rot-Weiß-Rot getragen worden, dann könnte man die letzte Hürde gut erwischen. Auch hier ist der Ausgang extrem eng auf die Start-Ziel-Gerade – das musste auch Daniil Kwjat 2016 einsehen.

Und dann ist es auch schon geschafft! 4,318 Kilometer sind bezwungen. 2003 stellte Michael Schumacher im Ferrari mit einer Rundenzeit von 1:08.337 Minuten im Rennen den bis heute gültigen Rundenrekord auf. Den Streckenrekord holte sich Lewis Hamilton im Qualifying 2016 mit 1:06.228 Minuten.

In einer Minute kam ich vielleicht gerade einmal ein paar Meter von der Pole weg. Mitgestoppt habe ich meine Rundenzeit übrigens nicht, denn durch das viele Fotografieren wäre es auch gar nicht repräsentativ gewesen. Von 7. bis 9. Juli wird die Formel 1 jedenfalls wieder um den Ring brausen, vielleicht fällt dann der Rekord von Hamilton auch schon wieder. Immerhin sollen die Boliden 2017 um bis zu fünf Sekunden schneller sein. Stay tuned!

Fotocredit für alle Bilder: © Maria Reyer

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