Maries Adventskalender | Tag 20

Mit dem 20. Türchen rücken wir wieder ein Stückchen näher Richtung Heilig Abend – heute heißt der Hashtag #CruelRules

Falls die Formel-1-Fans geglaubt haben, das Qualifying-Fiasko bleibt in diesem Jahr die einzige Aufregung, dann war das ein fataler Irrtum. Es scheint, als seien die Regelhüter damit erst in Fahrt gekommen. Ein weiteres Thema, das sich wie ein Kaugummi über die Länge der gesamten Saison zog: Track Limits.

Die große Frage, wie man das Verlassen der Strecke angemessen bestraft, beschäftigte die FIA an fast jedem Rennwochenende. Besonders viel Aufmerksamkeit wurde dem Thema bei den Rennen in Silverstone, Ungarn, Deutschland und auch Mexiko geschenkt. Nachdem man bereits auf dem Hungaroring keine konstante Lösung gefunden hatte (und nur in einigen wenigen Kurven elektronisch überwachte), entschied die Strategiegruppe auf dem Hockenheimring, dass man das Missachten der Track Limits ab sofort nicht mehr bestrafen werde.

Feeling focused for the race ahead. #F1 #MexicanGP @mercedesamgf1 📸 X @suttonimages

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Allerdings änderte die Rennleitung bereits einen Tag später ihre Meinung. Plötzlich wurde in Kurve eins doch wieder überwacht, da man im ersten Training über 90 Überschreitungen gemessen hatte. Zeiten wurden gestrichen, im Rennen wurde bei mehrfacher Übertretung mit einer Durchfahrtsstrafe gedroht. FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärte am Freitag in einem Mediengespräch, dass er komplett freies Fahren für „nicht  angemessen“ halte. Er entschied „von Strecke zu Strecke“, inwiefern Streckenüberschreitungen geahndet werden würden.

„Obwohl es in der Strategiegruppe besprochen und mehr oder weniger einstimmig angenommen wurde, konnten wir es nicht umsetzen, weil die Strategiegruppe nicht darüber abgestimmt hat. Hätten sie abgestimmt, dann wäre der Vorschlag weiter zur Formel-1-Kommission zur Bewilligung gegangen“, erklärte Bernie Ecclestone das Regelchaos. „Deshalb konnten wir es nicht umsetzen. Wir müssen es richtig tun. Wir müssen die Regel niederschreiben und dann über das Reglement abstimmen.“

We've all done it 😂 #f1 #mexicogp #wtf1

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In Zukunft sollten sowieso wieder natürliche Streckenbegrenzungen gelten, damit es keine Diskussionen mehr gebe, regt Sebastian Vettel. Darin liegt auch das Grundproblem, warum diese Diskussion auch erst aufkeimen konnte: Durch großzügig asphaltierte Auslaufzonen bleiben Fahrfehler – nicht wie bei Kiesbetten – unbestraft. Der Fahrer erlangt in manchen Fällen sogar einen Vorteil. Immer wieder gibt es Vorschläge, wie man einschreiten könnte: Die Autos beim Verlassen der Strecke automatisch verlangsamen, hohe Randsteine einbauen oder wieder zurückgehen zu den Kiesbetten.

Zampano Bernie Ecclestone schoss den Vogel mit seiner Forderung wieder einmal ab: 40 Zentimeter hohe Mauern rund um die Fahrbahn. Damit würde er versprechen, dass bestimmt kein Fahrer über die weiße Linie fahren könnte, so der Brite. Sein Vorstoß wurde vom Großteil der Piloten abgelehnt. Doch er konterte: „Dann dürfen wir nicht mehr nach Monaco, Baku und Singapur.“ Wirklich einigen konnten sich die einzelnen Drahtzieher bis zum Saisonfinale nicht. 2017 wird die Debatte wohl fortgeführt werden…

Radio Ga Ga

Nicht nur die Streckenlimits waren in dieser Saison Gegenstand von fragwürdigen Regelentscheidungen, auch das vorübergehende Funkverbot sorgte für so manch skurrile Rennsituation. Bereits seit dem Grand Prix von Singapur 2014 experimentierte die FIA mit dem Verbot von Anweisungen via Teamfunk. Die Fahrer sollten wieder eigenständiger agieren, so die Devise. Allerdings führte das zu einem komplizierten Regelwerk mit strittigen Punkten.

Insgesamt 23 Situationen wurden aufgelistet, in denen der Funkverkehr erlaubt war. Ansonsten drohte den Piloten eine Strafe. So geschehen in Silverstone, wo Nico Rosberg seinen zweiten Platz abgeben musste. Der Deutsche bekam eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt, weil ihm sein Renningenieur bei einem Getriebeproblem Anweisungen gegeben hatte. Jenson Button wurde in Ungarn Opfer der Regel. Er bekam eine Anweisung, da er ein Bremsproblem hatte. Für diese „dumme Regel“ (Zitat Button) erhielt er eine Durchfahrtsstrafe.

Besonders bitter war die Lage für Lewis Hamilton in Baku. Der Brite hatte ein Problem  an seinem Auto entdeckt, auch Rosberg litt darunter. Allerdings konnte der Deutsche dieses aus eigener Kraft relativ einfach lösen. Der Vizeweltmeister tuckerte hingegen rätselratend auf dem Stadtkurs umher. Sein Renningenieur durfte ihm bei der Suche nach der richtigen Motoreneinstellung nicht helfen. Dementsprechend verzweifelt klang der Brite am Radio.

Schlussendlich kamen die Verantwortlichen doch noch zur Besinnung. Vor dem Grand Prix von Deutschland wurde das Funkverbot aufgehoben. In den Rennen durften die Renningenieure ab Hockenheim den Fahrern wieder alle Anweisungen geben, ohne dafür eine Strafe zu kassieren.

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