Maries Adventskalender | Tag 19

Die letzte Woche des Formel-1-Adventskalenders beginnt mit dem Hashtag #WindbagsUnited

Die Formel-1-Fahrervereinigung GPDA hat nicht erst seit dem tragischen Tod von Jules Bianchi wieder an Gewicht gewonnen. Mit Präsident Alexander Wurz und seinen beiden Fahrerkollegen Sebastian Vettel und Jenson Button hat sich die Gemeinschaft aller 22 Piloten wieder mehr Gehör verschafft. Bereits mit der globalen Fan-Umfrage im Vorjahr setzte man ein Zeichen.

Ein weiteres folgte am Beginn dieser Saison. Nachdem am ersten Rennwochenende das Qualifying-Chaos der Formel 1 wieder einmal negative Schlagzeilen bescherte, meldeten sich die Fahrer lautstark zu Wort. Mit einem offenen Brief wendeten sich Wurz, Vettel und Button im Namen aller Piloten an die FIA als Regelhüter und an Bernie Ecclestone als Chefpromoter ihres Sports.

Liebe Formel-1-Verantwortliche, -Zuschauer und -Fans, die Grand-Prix-Fahrer möchten folgende Stellungnahme abgeben:

Wir Fahrer lieben unseren Sport! Von Kindertagen an haben wir davon geträumt, in den schnellsten Rennwagen der besten Teams auf den coolsten Rennstrecken gegen die besten Fahrer der Welt zu fahren. Wie suchen den Wettbewerb und lieben die Formel 1 nahezu bedingungslos. Daher haben wir, abgesehen von unseren Fans, vielleicht das aufrichtigste Interesse an der Formel 1.

Die Formel 1 wird derzeit durch ein weltweit schwieriges wirtschaftliches Umfeld, ein verändertes Verhalten von Fans und Konsumenten sowie durch grundsätzliche Veränderungen in der TV- und Medienlandschaft herausgefordert. Daher ist es entscheidend, dass die Führungskräfte des Sports kluge und wohl durchdachte Anpassungen vornehmen.

Wir haben das Gefühl, dass einige Regeländerungen, seien sie sportlicher oder technischer Art oder geschäftlich begründet, zerstörerisch sind, die wirklich großen Probleme unseres Sports nicht adressieren und daher den zukünftigen Erfolg aufs Spiel setzen. Wir wissen, dass von den Führungskräften des Sports, seien es nun die Inhaber, ihre Vertreter, die Regelhüter, Teams oder andere Verantwortliche, jeder Einzelne in gutem Willen handelt.

Daher sind die Fahrer zu dem Schluss gekommen, dass der Prozess der Entscheidungsfindung in diesem Sport überholt und schlecht strukturiert ist und damit Fortschritte verhindert. Er kann vielmehr manchmal im Gegenteil zu Stillstand führen. Das rückt unseren Sport in ein schlechtes Licht, verhindert, dass er auf die nächste Generation der Fans vorbereitet ist und schränkt sein globales Wachstum ein.

Wir drängen darauf und bitten die Inhaber und alle Verantwortlichen der Formel 1, ihre Führungsstruktur zu überdenken. Die zukünftige Ausrichtung der Formel 1 und alle Entscheidungen, seien sie lang- oder kurzfristig, seien sie sportlicher, technischer oder geschäftlicher Natur, sollten einem klaren Gesamtkonzept folgen. Ein solches Konzept sollte die Grundsätze und Werte der Formel 1 berücksichtigen.

Wir müssen sicherstellen, dass die Formel 1 ein Sport bleibt, bei dem die besten Fahrer in den außergewöhnlichsten Maschinen auf den coolsten Rennstrecken eng gegeneinander kämpfen. Die Formel 1 sollte den besten Fahrern, Teams und Rennstrecken vorbehalten sein, und Partner und Zulieferer sollten zu einer solchen Elite-Meisterschaft passen.

Die Formel 1 ist zweifelsfrei die Spitze des Motorsports und gehört zu den populärsten Sportarten der Welt. Wir Fahrer stehen zusammen und bieten unsere Hilfe und Unterstützung an, damit die Formel 1 als solches erhalten bleibt, sie fit für die Zukunft ist und auch zukünftigen Generationen noch viele Jahre lang Spaß macht.

Wir möchten noch einmal betonen, dass wir mit diesem offenen Brief nur die besten Absichten verfolgen, und dass er nicht als blinder oder respektloser Angriff gesehen werden sollte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und die Freiheit, unsere Gedanken in Worte zu fassen.

Mit besten Grüßen,

im Namen der Grand-Prix-Fahrer: Jenson Button, Sebastian Vettel und Alex Wurz.

Nicht lange mussten die Fahrer auf eine Reaktion warten. Bernie Ecclestone schrieb der GPDA einen Antwortbrief, der auch in den Medien veröffentlicht wurde. Darin schließt er sich grundsätzlich der Bitte an, die Führungsstruktur zu überdenken. Einen Seitenhieb kann er sich dann aber doch nicht verkneifen: „Ihr sagt, dass jedes Individuum nur mit den besten Absichten handelt. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Druckfehler ist. Es müsste nämlich heißen ‚mit seinen besten Absichten‘.“

Der 86-Jährige wäre nicht Mr. E würde er nicht doch noch für Schlagzeilen sorgen. So geschehen in Bahrain am zweiten Rennwochenende des Jahres. Angesprochen auf den Brief der Piloten meinte der Brite: „Sie können sagen, was sie wollen. Das ist schon alles. Sie können nichts tun. Sie haben eine Meinung, jeder hat eine.“ Ecclestone glaubte, dass die Teams ihre Fahrer instrumentalisieren. „Sie sagen nur das, was ihnen die Teams eingeflüstert haben.“ Danach wurde er provokant gefragt, ob er glaube, die Fahrer seien „windbags“ (= Windbeutel); er entgegnete: „Ein paar von ihnen…“

An den Piloten ist diese Aussage, die medial für Wirbel gesorgt hatte, natürlich nicht spurlos vorüber gegangen. Sie machten sich die Aussage zu Nutze. Eigentlich verwendet die GPDA den Hashtag #RacingUnited auf Twitter. Nico Rosberg war so kreativ und dichtete diesen leicht um auf #WindbagsUnited. Außerdem zelebrierten die Fahrer in den sozialen Medien Einigkeit und posteten mehrere Bilder von gemeinsamen Flugreisen und einem Abendessen in Monaco, wo nur Kimi Räikkönen, Romain Grosjean, Kevin Magnussen und Jolyon Palmer fehlten.

 

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