Maries Adventskalender | Tag 11

Am dritten Adventssonntag dreht sich im Formel-1-Adventskalender alles um einen Funkspruch und den Hashtag #Fuckoff

Das Mexiko-Grand-Prix-Wochenende sollte nicht jenes von Sebastian Vettel werden. Der Deutsche zeigte sich bereits mehrmals in diesem Jahr von seiner motzigen Seite – und das nicht nur bei Überrundungen und dem Wunsch nach blauen Flaggen. Der Ferrari-Pilot stellte sich dieses zweite Jahr mit der Scuderia anders vor. Man rutschte im Kräfteverhältnis auf den dritten Platz ab, außerdem gab es immer wieder interne Querelen. Die Frustration stieg, was die Fans am Teamradio des vierfachen Weltmeisters zu hören bekamen. Eine Auswahl:

Grand Prix von Russland

“Oh I’m out! Crash! Somebody hit me in the f*****g rear, T2. Somebody hit me in the f*****g rear again T3.”

Im Rennen in Sotschi wurde Vettel gleich zweimal Opfer von Daniil Kwjat, der den Ferrari in den Kurven 2 und 3 in die Mangel nahm und schließlich in die Reifenstapel schickte. Innerhalb von 15 Sekunden fiel fünfmal das F-Wort am Teamfunk des 29-Jährigen.

Grand Prix von Spanien

“F**k, if I don’t avoid that. He’s just going straight to my car. Honestly, what are we doing? Racing or ping-pong?”

Beim darauffolgenden Grand Prix in Barcelona, den Max Verstappen nach der Mercedes-Kollision in Runde eins überraschend gewinnen konnte, folgte sogleich ein weiterer Vettel-Funkspruch, der bereits Kult-Status erreicht hat.  Er duellierte sich mit seinem Ex-Teamkollegen Daniel Ricciardo, wobei der Australier nicht nachlassen wollte. Vettel zuckte daraufhin am Teamradio aus und fragte sich, was das alles eigentlich soll. Ping-Pong etwa?

„Offensichtlich hat er sich darüber beschwert, dass ich zu aggressiv war. Typisch!“, kommentierte Ricciardo die Situation nach dem Rennen. „Anders als 99 Prozent der Fahrer habe ich wenigstens versucht, zu überholen. Ich war einfach nicht zufrieden mit Platz vier“, so der Australier. Er hatte prompt eine Nachricht für Vettel parat – auf Twitter:

 

Grand Prix von Mexiko

“Are we safe? Can I go for a wee?”

Der Höhepunkt von Vettels Funk-Entgleisungen 2016 sollte gegen Ende der Saison in Mexiko folgen. Im ersten Qualifyingabschnitt erkundigte er sich noch nach seiner Platzierung, um dann schnell auf dem stillen Örtchen zu verschwinden. Härter wurde der Ton erneut im Rennen, wieder kämpfte er gegen einen Red Bull. Max Verstappen lag vor ihm auf dem dritten Platz hinter den Mercedes-Piloten.

Der Holländer verteidigte sich gewohnt kaltblütig. Der 19-Jährige kürzte in der zweiten Kurve ab – und behielt seinen Platz. Vettel wütete am Teamfunk, Verstappen müsse ihm die Position doch zurückgeben. Verstappen machte jedoch keine Anstalten. Nachdem ihm sein Team zuerst noch gesagt hatte, dass er Platz machen müsse, revidierte man diese Anweisung wenig später. Der Red Bull fuhr vor dem Ferrari über die Ziellinie. Vettel ließ lautstark Dampf ab:

Vettel: „Beweg dich, beweg dich verdammt nochmal. Er ist ein…“
Vettel: „Bin ich der einzige oder seht ihr nicht, was ich sehe? Er drängt mich zurück in Ricciardo!“
Vettel: „Im Ernst jetzt. Ich werde jemanden schlagen. Ich glaube, ich habe einen Platten.“
Ingenieur: „Die Reifen sind in Ordnung, die Reifen sind in Ordnung!“
Vettel: „Er muss mir die Position zurückgeben. Ende der Geschichte!“
Ingenieur: „Charlie hat gesagt…“
Vettel: „Hier ist eine Nachricht für Charlie: Fuck off! Fuck off!“
Ferrari-Teamchef Arrivabene: „Sebastian, beruhige dich! Das wird untersucht. Ich weiß, dass das nicht fair ist. Aber beruhige dich! Konzentriere dich und wir besprechen das hinterher.“
Vettel: „Ok, verstanden Maurizio.“

Da ging das Cavallino mit Vettel durch. Er wollte einfach nicht einsehen, dass Verstappen nicht zurückgepfiffen wird. Und richtete FIA-Rennleiter Charlie Whiting keine Nettigkeit aus. Die verbale Entgleisung ging natürlich nicht spurlos an den Konkurrenten vorüber. Max Verstappen wollte den Deutschen zurück in die Benimmschule schicken. Und Helmut Marko meinte, dieses Verhalten sei eines vierfachen Weltmeisters nicht würdig.

Die FIA überlegte kurzzeitig sogar eine Strafe für die Beleidigung in Betracht zu ziehen. Schließlich hätte man das Internationale Sportgesetzbuch der FIA anwenden können. Artikel 12.1.1.f besagt: „Jede Aussage, jede Handlung oder jede Niederschrift, die dem Ansehen der FIA, ihren Gremien, Mitgliedsverbänden oder Funktionären schadet“, sei ein Regelverstoß. Vettel hat sich bereits kurz nach dem Rennen persönlich bei Whiting entschuldigt, er schrieb in den Folgetagen sogar einen Brief an die FIA, nachdem Präsident Jean Todt eine Untersuchung angedroht hatte.

In einer offiziellen Stellungnahme der FIA hieß es wenig später, dass man von einer Bestrafung absehen werde. „Aufgrund seiner aufrichtigen Entschuldigung und seines großen Engagements, hat der FIA-Präsident entschieden, ausnahmsweise keine disziplinarischen Maßnahmen gegen Herrn Vettel einzuleiten und den Fall nicht vor das internationale Sportgericht der FIA zu bringen“, lautet die Begründung. Die Sache war damit erledigt, der Funkspruch wird allen Beteiligten trotzdem ewig in Erinnerung bleiben.

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