Andrea Schlager im Interview | Teil II: Über Macho-Denken, Höllentage & ein sexy Fotoshooting

Vor dem MotoGP-Wochenende in Spielberg habe ich mit Servus-TV-Moderatorin Andrea Schlager über ihr bevorstehendes Heimrennen gesprochen. Im zweiten Teil folgt nun ein Gespräch über den traurigen Unfalltod von Luis Salom, ihr sexy Fotoshooting im Sportmagazin oder auch den Umgang mit sozialen Medien.

Du hast bereits in der Formel 1 gearbeitet, nun bist du im MotoGP-Paddock präsent. Wie fühlt man sich eigentlich als Frau in der Männerdomäne Motorsport?

Schlager: „Es ist ein Männersport, das ist klar. Dort herrscht natürlich auch ein gewisser Sexismus und Macho-Denken. Vor allem in der MotoGP – man denke nur an die Umbrella-Girls. Aber meine Güte, das ist part of the deal. Das soll so sein. Ich habe damit kein großartiges Problem.“

„Ich denke mir bei allem, was ich mache, solange ich mir selbst treu bleibe, passt das. Ich bin nicht im Sport, weil ich Journalismus wie ein Mann mache, sondern ich bin eine Frau, die im Sport arbeitet und das zeige ich auch. Man wird es nie jedem recht machen können, ob Frau oder Mann.“

„Dort herrscht natürlich ein gewisser Sexismus und Macho-Denken.“

  • Schlager über die Männerdomäne MotoGP

Hattest du schon einmal ein schlechtes Erlebnis als Frau in diesem Umfeld?

Schlager: „Eigentlich nicht. Natürlich muss man sich manchmal durchsetzen, wenn Leute meinen, dass man nur die charmante Gastgeberin ist. Ich bin charmant, aber ich weiß schon auch, wovon ich rede und setze mich damit auseinander. Sicher muss man sich behaupten.“

Du hast für das Sportmagazin ein sexy Fotoshooting gemacht. Dazu meine Frage: Reduziert man sich da als Frau nicht selbst auf sein Äußeres? Und welcher Beweggrund stand dahinter?

Schlager: „Weil ich einfach voll Lust drauf hatte und so etwas noch nie gemacht habe. Reduziert es aufs Äußere? Wenn du im Fernsehen bist, bist du natürlich auch aus einem gewissen Grund dort, das ist doch nichts Schlechtes. Das ist ein zusätzliches Asset. Ich finde es eher engstirnig, wenn jemand meint, dass das total aufs Äußerliche reduziert. Warum soll ich das als Frau nicht tun dürfen.“

„Vielleicht habe ich es auch gemacht, um eine andere Seite von mir zu zeigen, weil ich bisher eine sehr geradlinige Journalistin war – was ich auch bin. Aber ich habe gewusst, ich habe die Kompetenz in meinem Bereich, dass ich so etwas ohne weiteres machen kann und nicht umgekehrt. Das ist ein großer Unterschied. Ich habe es nicht gemacht, um bekannt zu werden. Dafür müsste ich für ein anderes Magazin noch ein bisserl mehr ausziehen (lacht).

„Ich habe es nicht gemacht, um bekannt zu werden. Dafür müsste ich für ein anderes Magazin noch ein bisserl mehr ausziehen.“

  • Schlager über ihr sexy Fotoshooting

Diese Fotos haben auch in den sozialen Medien die Runde gemacht. Da bist du sehr aktiv. Hast du eine bestimmt Strategie, die du verfolgst? Was möchtest du damit bezwecken?

Schlager: „Bis vor einem Dreivierteljahr war ich online nur privat unterwegs, und das nur auf Facebook. Mittlerweile sind soziale Medien ein einfaches Tool, das sehr viel Wirkung hat. Daher habe ich mich dann dazu entschlossen, das komplett zu machen und auch Dinge preiszugeben. Das Gute dabei ist, dass du selbst entscheidest, was du preisgibst.“

„Ich mache sehr viel intuitiv, auch um Leute daran teilhaben zu lassen, wer und wie ich so bin. Was man von mir im Fernsehen sieht, so bin ich auch im echten Leben. Da ist nicht viel verstellt. Natürlich wird man vor der Kamera immer schöner sprechen, aber in Wahrheit, und das finde ich so cool am MotoGP-Team, reden wir alle frei Schnauze. Ich habe das Privileg, so nahe an eine Sportart ranzukommen und das können meine Follower nutzen, um mir Fragen zu stellen und auch ein Stück näher dran zu sein. Das verfolge ich damit eigentlich.“

Gibt’s Unterschiede zwischen Facebook, Twitter, Instagram & Co.?

Schlager: „Man muss die einzelnen Medien unterschiedlich betrachten. Was ich vorhin gesagt habe, das verfolge ich zum Beispiel auf Facebook. Auf Twitter bin ich wahrscheinlich am schlechtesten, weil es der Nachrichtendienst schlechthin ist. Da ich selbst durchgehend arbeite und nicht so viel Zeit habe, kann ich währenddessen nicht permanent twittern.“

„Instagram nutze ich fast am liebsten, weil es dort nicht so viel Gequatsche gibt. Da haut man halt schnell schöne Fotos rein. Das Tool gibt dir als Journalistin auch viele Möglichkeiten, Fahrer kennenzulernen, um neue Aspekte zu finden, über die man reden könnte. Dort zeigen auch sie, was ihnen wichtig ist – sei es das Haustier, die Freundin oder irgendeine Leidenschaft. Sie reagieren dann im Gespräch auch gleich ganz anders, wenn man sie darauf anspricht. Sie freuen sich voll und öffnen sich.“

„Mit Snapchat habe ich jetzt erst angefangen, schauen wir mal. Keine Ahnung, wo das hinführt. Das Ganze ist schon sehr zeitintensiv. Das wird aber immer wichtiger werden. Mit ein bisschen Gespür und Hingabe kann es ganz gut für dich arbeiten.“

Andrea Schlager bei…
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Im ersten Teil des Interviews haben wir über dein bisheriges Fazit der MotoGP-Saison 2016 gesprochen. Dabei hast du auch den Unfalltod von Luis Salom angesprochen. Wie war das für dich? Wie hast du dieses Barcelona-Wochenende erlebt?

Schlager: „Wir waren am Freitag für ein paar Stunden in einer unsicheren Situation. Du weißt, dass da etwas Schlimmes passiert ist, weil du es einfach gesehen hast.“

Hast du den Sturz auch gesehen und mitbekommen?

Schlager: „Ja. Du bekommst alles mit. Du kriegst mit, wie die Mutter in der Box steht und das alles sieht. Und du hoffst einfach nur, dass das Ganze nicht so schlimm ist, wie du aber eigentlich schon weißt, dass es ist. Das waren die bangen Stunden bis es geheißen hat, es gibt eine Pressekonferenz. Da hast du zwar noch immer gehofft, obwohl du insgeheim schon gewusst hast, dass das Schlimmste eingetreten ist.“

„In diesem Moment wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Jetzt bin ich erst neu dabei, da möchte ich gar nicht wissen, wie es denjenigen gegangen ist, die einen langen Weg mit Luis gegangen sind. Ich habe sofort die Mutter dort stehen sehen in der Box, die das alles mitbekommt. Da denkst du dir nur, dass das alles gerade nicht wirklich passiert ist. Du weißt, es kann passieren und glaubst, du bist dir dessen bewusst, aber hast keine Ahnung, wie du in so einem Moment reagierst.“

Wie war die Stimmung im Fahrerlager?

Schlager: „Die Stimmung im Fahrerlager kann man nicht beschreiben. Komplett ausgewechselt. Da hat man Fahrer in Tränen aufgelöst gesehen, die natürlich Freunde von Luis waren. Da merkst du erst, dass das eine Familie ist und dass sie nicht nur Rivalen sind. Am Samstag war die Stimmung sehr anders und wirr. Es hat sich jeder, auch von den Medien, zurechtfinden müssen. In Pressekonferenzen hat es auch ein paar Ausschreitungen gegeben, weil Journalisten blöde Fragen gestellt haben und Fahrer dann zu Recht zurückgeschrien haben.“

„Ich hatte noch nie so viel Respekt vor etwas, als an jenem Sonntag zu moderieren. Fünf Stunden lang permanent zu sagen, was da passiert ist und das in einer angemessenen und würdigen Form. Vor dieser Aufgabe habe ich mich gefürchtet, um ehrlich zu sein. Am Sonntag hat es dann auch eine Schweigeminute gegeben, da stehst du einfach da und dir rinnen nur noch die Tränen runter. Und du weißt, in fünf Minuten bist du live auf Sendung. Das war heftig. Dieser Sonntag war für mich der absolute Höllentag.“

„Dieser Sonntag war für mich der absolute Höllentag.“

  • Schlager über den Rennsonntag in Barcelona

Wie schafft man es in solch einer Situation überhaupt professionell zu bleiben und nicht zu emotional zu werden?

Schlager: „Ich frage mich bei solchen Sachen, was ist professionell und was emotional? Natürlich sind wir Journalisten, die professionell arbeiten, aber wir alle sind begeistert davon und haben eine Leidenschaft dafür. Und wenn ich dann einmal wirklich traurig bin, weil ich das gerade bin, dann verzeiht mir das glaube ich auch jeder einzelne Zuschauer. Das war mein Zugang. Wir sind alle Menschen und ich gebe mein Bestes. Das habe ich in dieser Situation umso mehr versucht, weil für mich dieses Respektzollen Luis gegenüber extrem wichtig war. Ich habe mir das dann auch zugestanden.“

Das letzte Thema in unserem Interview betrifft einen Knalleffekt im Mai: das plötzliche Aus von Servus TV. Wie hast du das erlebt? Hast du zuvor schon davon gewusst? Und musstest du fürchten, dass der MotoGP-Zirkus ohne dich weiterzieht?

Schlager: „Es wurde alles schon berichtet, da gibt es auch keine zusätzlichen Geschichten, die passiert sind. Es ist alles online und in Zeitungen gestanden, wie es wirklich war. Natürlich bist du im ersten Moment mal überrascht. Ich habe es kurz vorher erfahren. Mein Handy ist fast explodiert vor Nachrichten. Als ich gesehen habe, dass es jetzt online ist, musste ich mal schlucken.“

„Den Grund, warum das Ganze passiert ist, habe ich verstanden und auch Herrn Mateschitz habe ich total verstanden, um ehrlich zu sein. Wie das alles gelaufen ist, war unglaublich. Die MotoGP habe ich nicht aufgegeben. Ich habe mir gedacht, dass es irgendwie weitergehen wird. Ich bin jetzt vier Jahre in Salzburg. Da sind Freundschaften entstanden, das soll jetzt aus sein? Da brauchst du mal einen Tag, an dem du dein Leben überdenkst. Die allergrößte Überraschung war für mich, dass das einfach so zurückgenommen wurde, damit habe ich nicht gerechnet. Das war recht schräg.“

Kann man als Red-Bull-Sender eigentlich ganz objektiv sein? Oder ist da nicht immer ein gewisser Beigeschmack dabei?

Schlager: „Das ist in der MotoGP überhaupt nicht der Fall. Warum auch, du überträgst ein internationales Sportrecht. Deine Sympathieträger findest du dir selbst. Davon abgesehen haben wir überhaupt keine Vorgaben – ganz im Gegenteil. Schau dir den Gustl an, der in jeder Sendung sagt, welch großer Rossi-Fan er ist (lacht). Beim ersten Rennen hat er noch gefragt, ob er das überhaupt sagen darf. Natürlich, er ist Experte, er darf alles sagen. Ich glaube, Servus TV sieht man auch nicht unbedingt als Red-Bull-Sender, weil wir in allem, was wir machen, ein neutraler Sender sind. Das kann ich als Moderatorin sagen. Du haltest nicht für jemanden die Daumen, nur weil er ein Red-Bull-Kapperl auf hat.“

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