Andrea Schlager im Interview | Teil I: Über Klugscheißer, Kasperl & das MotoGP-Comeback in Spielberg

Am Sonntag findet erstmals seit 1997 wieder ein Rennen der Motorrad-Königsklasse auf dem Red-Bull-Ring in der Steiermark statt. In Österreich wird das Rennen auf Servus TV live übertragen. Mit dabei ist auch die gebürtige Knittelfelderin Andrea Schlager als Moderatorin. Ich habe mich mit der Steirerin von Frau zu Frau über ihre Arbeit, das bevorstehende Rennwochenende und ihre bisherigen Eindrücke aus dem MotoGP-Paddock gesprochen.

Andrea, du bist seit 2016 im MotoGP-Zirkus dabei. Wie war der Anfang?

Andrea Schlager: „Ich war schon davor bei Rennen dabei und kenne einige Fahrer, wie Marc Marquez oder Dani Pedrosa, natürlich auch über meine Arbeit als Journalistin bisher. Ich habe lange in der Formel 1 gearbeitet, daher komme ich schon mit einem gewissen Grundwissen in die MotoGP. Das merken die auch sehr schnell, ob du Interesse hast, an dem was da passiert oder nicht.“

War ein Thema dabei, wo du dich vorher einlesen musstest? Vor allem die Technik ist ja sehr komplex…

Schlager: „Das war eigentlich kein Problem, weil ich nicht die Expertin bin, sondern die Moderatorin und ich zwei Experten habe. Mit einem gewissen Grundwissen stellst du auch die Fragen, die jeder Zuseher daheim hat. Ich bin als Moderatorin nicht die Klugscheißerin, die alles besser weiß.“

„Das Einzige, was für mich nach wie vor noch ein bisschen schwierig ist: Den Überblick über alle drei Klassen, immerhin rund 90 Piloten, zu behalten. Mit Alex Hofmann hatte ich da den besten Ansprechpartner, der mir Tipps gegeben hat. Wer redet gut, wer redet gern. Da kommt man dann sehr schnell rein.“

„Ich bin als Moderatorin nicht die Klugscheißerin, die alles besser weiß.“

Weil du Alex Hofmann schon erwähnt hast: Wie läuft die Zusammenarbeit im Team ab? Wie funktioniert das auch mit Gustl Auinger?

Schlager: „Die ist ziemlich lustig und komplett unterschiedlich, weil wir alle vier (Christian Brugger, Alex Hofmann, Gustl Auinger; Anm.) total unterschiedlich sind. Gustl ist grundsätzlich einer der liebsten Menschen, den ich kenne. Mit ihm ist’s immer eine Gaudi. Gustl war außerdem eine große Hilfe. Durch ihn habe ich mir sehr viel Hintergrundwissen angeeignet. Das Gute bei ihm ist auch, dass er alles so erklärt, dass man es sofort versteht. Am Anfang war er noch ein bisschen nervös, aber in unserer Zusammenarbeit hat er die Ruhe gefunden, um am Schirm hundert Prozent Gustl zu sein. Er ist einfach ein Highlight und ein absolutes Unikat (lacht).“

„Ist Alex Hofmann natürlich auch – auf seine Art. Alex ist permanent Vollgas drauf, in allem was er macht. Den muss man manchmal wirklich einbremsen. Er ist ein Vollprofi, der die MotoGP lebt. So wie das Team jetzt zusammengesetzt ist, ist das eigentlich meine Traumkonstellation.“

Welche Rolle spielt eigentlich Andy Meklau im Team? Bisher konnte man ihn ja noch nicht oft sehen…

Schlager: „Bei ihm ist das Problem, dass seine Zeit sehr begrenzt ist. Er wird in Silverstone kommentieren. Und in Österreich wird er vorkommen, es ist ja sein Heimrennen und er ist in der Rennleitung. Sonst haben wir geplant, ihn eher in Berichten und Features einzusetzen.“

Wie schaut so ein Rennwochenende hinter der Kamera aus?

Schlager: „Im Normalfall reise ich am Mittwoch an. Am Donnerstag geht es los um die Mittagszeit, da gibt es die ganzen Medientermine. Für mich ist das der Recherchetag. Einfach ankommen, updaten und orientieren. Am Freitag beobachte ich alle Trainings. Immer wieder gehe ich auch in die Boxen zu den Fahrern in sämtlichen Klassen, um nachzufragen. Außerdem wird am Freitag die Sendung für Samstag komplett vorbereitet.“

„Am Samstag bin ich relativ früh an der Rennstrecke. Da hole ich die letzten Updates ein, schaue mir die Warm-ups an, dann geht’s in die Maske und dann stehen schon die technischen Proben an. Du läufst eigentlich die ganze Zeit zwischen TV-Compound, Boxengasse und Hospitality herum. Dann sind wir eh schon live beim vierten Freien Training und dem Qualifying. Und dann heißt’s für mich noch, die komplette Sendung für Sonntag fertig zu schreiben. Da überlegt man dann, welche Themen sich für Sonntag anbieten.“

„Du läufst die ganze Zeit zwischen TV-Compound, Boxengasse und Hospitality herum.“

Wer entscheidet, wie die Sendung schlussendlich aussehen wird?

Schlager: „Wir haben während des Wochenendes immer wieder Redaktionssitzungen. Das wird alles gemeinschaftlich beschlossen. Vor Ort sind wir rund acht bis zehn Leute. Auch welche Grid-Interviews man am Sonntag macht zum Beispiel. Da weiß man nie, ob man die Fahrer dann auch wirklich bekommt. Da kann der dreimal vorher sagen: ‚Ja sicher, komm vorbei‘. Dann stehst du am Grid und dann zeigt er ein Nein, aber dann muss man das akzeptieren.“

„Am Sonntag bin ich so ab sechs schon an der Rennstrecke. Dann geht’s wieder in die Maske und dann sind wir eh fünf Stunden auf Sendung. Ohne Verschnaufpause. Die Zeit vergeht aber eigentlich relativ schnell (lacht).“

Du bist jetzt schon ein halbes Jahr mit dabei. Wie sieht dein persönliches Fazit bisher aus?

Schlager: „Ich habe lange sämtliche Jobs in der Formel 1 gemacht, deshalb liebe ich dieses Leben, diesen Zirkus und den Motorsport. Da wächst man sehr schnell zu einer kleinen Familie zusammen, das ist schon so passiert, wie ich es mir vorgestellt habe. Obwohl ich nicht so genaue Vorstellungen davon hatte, wie es in der MotoGP abläuft und wie locker es tatsächlich ist. Da gibt es einen riesigen Unterschied zur Formel 1. Das taugt mir total. Es ist entspannter und zugänglicher.“

„Der Einstieg war sehr einfach, da ich sehr schnell einen Draht zu sämtlichen Fahrern hatte. Natürlich war die Saison bisher sehr gemischt. In Barcelona hatten wir einen ganz tragischen Fall, wo Luis (Salom; Anm.) gestorben ist. Daher mein Fazit bis jetzt: Der Motorsport hat sich von jeder Seite gezeigt, die er wahrscheinlich hat. Das war sehr intensiv.“

„Der Motorsport hat sich von jeder Seite gezeigt, die er hat.“

Du meinst, der Sport ist so intensiv. Welche Geschichte hat dich bisher besonders beeindruckt?

Schlager: „Die Geschichte von Danilo Petrucci zum Beispiel. Im Training in Australien hat er sich die Hand gebrochen. Beim Comeback-Rennen (in Le Mans, insgesamt vier Rennen Pause; Anm.) habe ich ihn am Grid interviewt. Normalerweise ist er ein totaler Kasperl, da war er aber schon ein bisschen grenzwertig drauf. Er ist ein super Rennen gefahren, wurde glaube ich Siebter. Dann mussten wir in Paris eine Nacht im Flughafenhotel verbringen, da haben wir uns zufällig getroffen.“

„Ich habe ihm zum tollen Comeback-Rennen gratuliert, er ist dort gestanden und hat zu mir gesagt: ‚Andrea, ich muss dir ganz ehrlich sagen, heute fiel die Entscheidung, ob meine Karriere weitergeht oder nicht. Und ich bin total fertig. Ich habe nicht gewusst, ob die Hand halten wird und wenn ich noch einmal geflogen wäre, dann wäre alles aus gewesen.‘ Daraufhin war ich baff.“

Und wer war der interessanteste Interviewpartner bisher?

Schlager: „Ich mag auch Jorge Lorenzo relativ gern, obwohl er in der Außenwirkung ganz anders rüberkommt. Wenn man so mit ihm spricht, ist er ein sehr angenehmer Typ. Von ihm hatte ich vorab ein anderes Bild, während Marc (Marquez; Anm.) und Rossi schon so sind, wie sie rüberkommen.“

Jorge Lorenzo wirkt manchmal etwas kühl und arrogant, das stimmt…

Schlager: „Ja, ich hatte zuvor den Eindruck, dass er kein großer Sympathieträger ist. Wenn ich mit ihm spreche, dann redet er mit sehr viel Präzision, er ist sehr überlegt.“

„Ich hatte den Eindruck, dass er kein großer Sympathieträger ist.“

  • Schlager über Jorge Lorenzo

Am kommenden Sonntag macht die MotoGP in Spielberg Halt. Du bist aus Knittelfeld, also wird das bestimmt ein besonderes Wochenende für dich werden. Wie erlebst du das? Und hast du noch viel Bezug zur Heimat?

Schlager: „Diese Gegend wird immer meine Heimat sein, auch wenn ich nur noch sehr selten da bin. So gern man früher weggefahren ist, so sehr freut man sich jetzt, wenn man wieder heimkommt. Daheim ist daheim und aus.“

„Auf das Wochenende freue ich mich total. Ich erahne schön langsam, was los sein wird, weil mir auf Facebook immer wieder Leute schreiben. Alle sind schon total im Hype. Jetzt habe ich gerade ein Foto von einem Fanclub von mir gesehen, da hab ich mir gedacht: ‚Was geht jetzt überhaupt ab?‘ (lacht). Ich bin auch schon sehr gespannt, wie es sein wird, wenn ich wieder zu Hause wohne (lacht).“

„Wenn irgendwie Zeit ist, wurde ich von Stefan Bradl zum Tennisspielen aufgefordert. Das wollen wir auch tatsächlich umsetzen. Er hat mich schon vor der Saison gefragt und jetzt hat es sich so ergeben, dass wir es in Österreich drauf anlegen (lacht). Ich werde auch schauen, dass ich über die sozialen Medien den Fans, die nicht dabei sein können, Sachen liefere.“

Gibt’s etwas, auf das du dich am meisten freust?

Schlager: „Ja, ich muss ehrlich sagen, wir hatten jetzt ein ganzes Monat Pause und ich freue mich schon auf die ganzen Jungs, dass ich sie wiedersehe. Die sind mir fast ein bisschen abgegangen (lacht).“

Wer ist dein Favorit für Sonntag? Und gibt’s einen Piloten, für den du heimlich die Daumen drückst?

Schlager: „Ich finde es immer extrem cool, wenn ein Überraschungskandidat auf dem Podium steht, wie es bei Jack Miller oder Scott Redding der Fall war. Ich würde es auch Danilo Petrucci total wünschen, nachdem was er alles durchgemacht hat.“

„Er ist nicht nur das Übertalent, sondern fährt auch kalkuliert mit Hirn.“

  • Schlager über Marc Marquez

„Ich tippe wieder einmal auf Marc (Marquez; Anm.), weil er in diesem Jahr dieses Schäuferl nachgelegt hat. Er ist nicht nur das Übertalent, sondern fährt auch kalkuliert mit Hirn. Darum ist er für mich der absolute Titelkandidat, auch in Österreich wird er extra puschen als Red-Bull-Athlet. Ich stehe natürlich total auf Rossi, wer nicht. Dieser Typ ist einfach cool. Es wäre natürlich gut, wenn er gewinnt, weil’s dann spannend bleibt.“

Interessant, dass du Marquez sagst, weil eigentlich Ducati bei den Testfahrten sehr stark war…

Schlager: „Marquez muss man immer auf der Rechnung haben, egal wo, ob Honda-Strecke oder nicht. Man muss sich nur die Tests anschauen, wie schlecht sie da waren, bevor es losgegangen ist. Und dann reden wir wieder die ganze Zeit von der Desmosedici-Power (Ducati; Anm.), die halt leider falsch eingesetzt wird, weil der gute Herr Iannone lieber Leute abräumt (lacht). Ich bin wirklich schon gespannt aufs Wochenende, was alles passieren wird.“

Weitere Links:

Andrea Schlagers Homepage

MotoGP in Österreich

MotoGP WM-Stand

2 Gedanken zu “Andrea Schlager im Interview | Teil I: Über Klugscheißer, Kasperl & das MotoGP-Comeback in Spielberg

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