Ernst Hausleitner im Gespräch: Über politische Erfüllungsgehilfen, die Formel-1-Rechte des ORF & die MotoGP in Spielberg | Teil II

Vergangene Woche konntet ihr bereits den ersten Teil meines Interviews mit ORF-Formel-1-Kommentator Ernst Hausleitner lesen. Heute folgt der zweite Teil. Über Sebastian Vettel als politisch motivierten „Erfüllungsgehilfen“, die Formel-1-TV-Rechte des ORF, die Zusammenarbeit mit Alex Wurz und das Comeback der MotoGP in Österreich.

Wir haben darüber gesprochen, dass doch noch viele Zuschauer an die Strecke kommen (hier zum ersten Teil des Interviews). Der Trend geht trotzdem in eine negative Richtung. Wie kann man nun als Medium versuchen, die Königsklasse den Fans wieder schmackhafter zu machen?
Hausleitner: „Grundsätzlich sind wir mitverantwortlich dafür, dass es den Berg hinuntergegangen ist. Begonnen hat diese Abwärtsspirale Anfang 2014, wo plötzlich alles schlecht war. Und es im Endeffekt nicht so schlecht war, wie es dargestellt wurde, bevor die Saison 2014 begonnen hat. Dieser Schaden ist von vielen Protagonisten aus der Szene angerichtet worden. Zitiere nur die Taxifahrer von Montezemolo, bis hin zu Sebastian Vettel, der gesagt hat, dass die Formel 1 nicht mehr das ist, was es einmal war. Und so hat es sich in eine negative Richtung bewegt.“

„Das sind alles Aussprüche, über die sich die Medienwelt gefreut hat – tolle, markante Sprüche, die von uns verbreitet wurden. Dann darf man sich nicht wundern, wenn der Fan zu Hause irgendwie einen negativen Touch mitbekommt. Das wieder auszubügeln, da ist die Szene gerade dabei. Alle gemeinsam müssen danach trachten, dass die Außendarstellung dramatisch besser wird. Es ist so schlecht dargestellt worden, wie die Saison 2014 auch gar nicht war. Von dem muss man sich wieder befreien.“

Und wie?
Hausleitner: „Naja, die Verantwortung liegt eigentlich bei denen, die den Sport ausmachen. Piloten, Teamchefs…Die müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sich nicht politisch vor den Karren spannen lassen. Vettel hat das damals nur gesagt, weil Red Bull kein Auto zusammengebracht hat. Wäre er im Mercedes gesessen, hätte er das bestimmt nicht gesagt. Das sind auch irgendwo Erfüllungsgehilfen von Menschen, die andere Interessen verfolgen.“

„Das waren ja keine Äußerungen, die aus Überzeugung gesagt worden sind, sondern die politisch motiviert waren. Damit sägt man sich ja den eigenen Ast ab. Auch wenn du im Moment nicht an der Spitze bist, müsstest du schon noch den Überblick behalten und das große Ganze sehen. Da haben einige ausgelassen. Und so ist der Schaden entstanden. Da sind sie jetzt irgendwie dabei, den zu reparieren.“

„Piloten und Teamchefs müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sich nicht politisch vor den Karren spannen lassen.“

– Hausleitner über das negative Stimmungsbild in der Formel 1

Zum Thema Politik in der Formel 1 passt auch die nächste Frage: Es gibt nun die Bestrebung für 2017 ein neues Reglement zu implementieren. Jedoch gibt’s noch immer keine Einigung und die Zeit wird knapp. Wird’s noch zu einer kommen oder gelingt wieder kein Durchbruch?
Hausleitner: „Was man so hört, sträubt sich Mercedes mit Händen und Füßen gegen Umstellungen im aerodynamischen Bereich, weil sie danach trachten, dass die Formel 1, so wie sie jetzt ist, Motor dominiert bleibt. Aus der Sicht von Mercedes ist das nachvollziehbar, alle anderen wollen etwas anderes. Wollen wieder einen größeren Einfluss der Aerodynamik haben.“

„Was schlussendlich richtig oder falsch ist, das wird die Zukunft weisen. Grundsätzlich gibt es viel zu wenig Stabilität im Reglement. Man muss jetzt auch nicht die totale Revolution durchführen. Dann bleibt wieder kein Stein auf dem anderen und keiner weiß, was herauskommt. Das hatten wir eh schon bei den Motoren. Bei einem totalen Umkrempeln muss man vorsichtig sein.“

Schon in diesem Jahr wird das Reifenreglement verschärft. Pirelli bringt auch eine neue Reifenmischung an den Start. Macht’s das noch komplizierter oder ist diese Änderung positiv zu bewerten?
Hausleitner: „Ich möchte jetzt niemandem zu nahe treten, aber dass der Reifen nicht funktioniert und dass man da vieles, was diskutiert wird, Kurvengeschwindigkeit zum Beispiel, nicht bräuchte, wenn man einen tauglichen Reifen hätte, ist klar. Es kommt nicht darauf an, ob man noch einen Ultrasoft dazu erfindet oder ob die Teams aus drei Mischungen wählen dürfen, oder was auch immer. Der Reifen ist einfach nicht gut.“

„Wenn man einen besseren Reifen hätte, dann würden auch die Piloten mehr ans Limit gehen müssen, dann hätten wir vielleicht wieder schwieriger zu fahrende Autos, weil man in der Kurve mehr Grip hätte. Der Reifen spielt eine große Rolle. Pirelli hatte in den vergangenen zwei Jahren Glück, da sie aus der Schlusslinie geraten sind, weil sich alle auf die Motoren hingeschmissen haben. Wenn man sich in Fahrerkreisen umhört, ist der Reifen ein großer Kritikpunkt. Das ist eher Kosmetik, was man jetzt betreibt. Da bin ich von der Wirkung nicht ganz überzeugt.“

Kommen wir nun zu einem wichtigen Thema für alle österreichischen Fans: 2014 gab’s das Comeback in Spielberg. Wie hat es sich angefühlt, das eigene Heimrennen zu kommentieren?
Hausleitner: „Das erste Mal 2014 war schon ein besonderes Gefühl. Das war schon Gänsehaut-Feeling. Ich hätte mir auch nie gedacht, dass ich dort, wo ich im Jahr 1975 meinen ersten Grand Prix gesehen hab, im Jahr 2014 ein Rennen kommentieren darf. Das war schon ein besonderer Moment. Was für mich aber auch bleibt, ist unendlich viel mehr Arbeit (lacht). Ich freue mich aber jetzt schon wieder auf den Österreich-Grand-Prix.“

Dein Partner im Kommentatorenkammerl, Alex Wurz, hat seine Karriere mittlerweile beendet. Wird er nun mehr Zeit für dich, sein Schatzi, haben?
Hausleitner: „Nein, das wird ähnlich werden wie in der vergangenen Saison, weil Alex bei Toyota in beratender Funktion dabeibleibt. Und dementsprechend dann Einsätze für Toyota an der Boxenmauer, bei den Tests, wie auch immer, hat. Ich weiß nicht genau, wie viele Rennen er voriges Jahr gefehlt hat – sieben, acht. Und ich befürchte, dass es dieses Jahr in einem ähnlichen Ausmaß sein wird.“

Auch ein wichtiges Thema sind die Formel-1-TV-Rechte des ORF. Die laufen am Ende der diesjährigen Saison aus. Was ist der Stand der Dinge?
Hausleitner: „Ich habe nicht den Funken einer Idee. Es tut mir wirklich leid, dass ich das sagen muss. Alle Spekulationen, dafür oder dagegen, das lese ich alles nur in der Zeitung. Ich lasse das auf mich zukommen.“

Es hat ja schon eher negative Aussagen von ORF-Finanzdirektor Richard Grasl gegeben. Er wolle die 15 Millionen pro Jahr, die in die Formel-1-Rechte fließen, lieber in heimische Filmprojekte investieren…
Hausleitner: „Ja, wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie die Entscheidung getroffen wird. Ob wir gut oder schlecht dastehen. Ich weiß es nicht.“

Was macht Ernst Hausleitner dann ohne Formel 1 im ORF?
Hausleitner: „(lacht) Das weiß ich auch noch nicht. Ich gehe davon aus, dass man dann irgendeine andere Verwendung für mich hat.“

„Ich habe nicht den Funken einer Idee.“

– Hausleitner über die ORF-Verhandlungen über die Formel-1-TV-Rechte

2016 kommt auch die MotoGP nach Spielberg zurück. Wirst du dir das Rennen vor Ort ansehen?
Hausleitner: „Ja, ganz klar.“

Ist man da als Formel-1-Kommentator ein bisschen neidisch auf die Zweirad-Kollegen, weil’s dort gerade ein bisschen besser funktioniert?
Hausleitner: „Neidisch nicht. Ich war beim letzten Motorrad-Rennen live dabei in Spielberg, 1997 muss das gewesen sein. Und ich werde auch in diesem Jahr wieder dabei sein, wenn sie im August wieder auf dem Red-Bull-Ring fahren. Mir gefällt’s und ich schau es mir auch gerne an.“

Sprechen wir am Ende noch einmal über die bevorstehende Saison. Welche Überraschungen könnten wir 2016 sehen?
Hausleitner: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Toro Rosso besser wird. Vielleicht eine größere Rolle spielt. Die Befürchtung gibt’s auch bei Red Bull, dass Toro Rosso mit dem alten Ferrari-Motor besser dasteht als Red Bull mit dem neuen Renault-Motor.“

„Ich bin auch wirklich gespannt, was das Haas-Team abliefern wird. Das wird in der ersten Phase der Weltmeisterschaft ein Abklatsch von Ferrari sein. Die haben mehr oder weniger alles von Ferrari, und sie werden sich auch im Fahrzeugkonzept und -design nicht wesentlich unterscheiden. Wenn Ferrari dann beginnt weiterzuentwickeln, werden sie stagnieren. Für ganz ausgeschlossen halte ich es nicht, dass sie Punkte holen können.“

Was erwartest du von McLaren-Honda in diesem Jahr? Gelingt ihnen der Schritt nach vorn?
Hausleitner: „Schlechter geht’s ja nicht mehr, also müssten sie eigentlich besser werden. Große Hoffnung habe ich da nicht. Man hört, dass sie ein paar PS gefunden haben, aber ich glaube, dass das Motorenkonzept grundsätzlich nicht funktioniert. Ich erwarte wenig.“

Wie ergeht es Fernando Alonso dabei? Er ist nun schon längere Zeit nicht mehr erfolgreich…
Hausleitner: „Der stirbt tausend Tode. Das ist eine tägliche Geißelung für ihn, ganz eine üble Situation.“

Letzte Frage: Was macht Ernst Hausleitner bis zum Saisonstart in Australien?
Hausleitner: „Er kommentiert viele Skirennen, und wenn er das gerade nicht macht, versucht er selbst Ski zu fahren. Was aber im Moment schwierig ist. Ich würde mir nichts mehr wünschen, als dass es noch einmal viel schneit und richtig kalt wird. Bei mir dreht sich also alles ums Skifahren, sei es beruflich oder privat.“

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