Goodbye, Susie!

Susie Wolff wird den Helm an den Nagel hängen. Sie verlässt die Rennstrecke. Für immer. Die Schottin hat ihren Rücktritt bekannt gegeben. Was bleibt?

Susie Wolff hat am Mittwoch ihr Karriereende bekannt gegeben. Sie ist mehr als nur eine Rennfahrerin. Sie als Frau ist Botschafterin für das Weibliche in einer Männerdomäne. Sie wollte beweisen, dass auch das vermeintlich schwache Geschlecht stark sein kann – so wie schon einige vor ihr. Sie hat der Formel 1 mehr Vielfalt gebracht, für das Williams-Team war sie ein Testimonial.

Was bleibt nun von Wolffs Karriere? Ihren Einsätzen auf den Rennstrecken dieser Welt? Mit ihrem Abschied stirbt der Traum ein wenig. Der Traum und die Hoffnung von der schnellen Frau, die es allen Männern zeigt. Dazu bekam sie niemals die Gelegenheit – unter Rennbedingungen durfte sich Wolff nie mit den besten Rennfahrern messen. Und auch ihre Rolle als Ersatzpilotin bei Williams war eher eine scheinheilige.

Fürs Grobe musste erst ein Mann her: Adrian Sutil wurde 2015 kurzerhand zum dritten Fahrer bei Williams ernannt, nachdem das Team schon beim Saisonauftakt in Melbourne den zweiten Boliden von Valtteri Bottas nicht besetzen konnte oder wollte, da der Finne aufgrund von Rückenproblemen nicht gestartet war. Somit wurde Wolff in der Team-Hierarchie auf Rang vier zurückversetzt. Ein ernüchterndes Erlebnis, dass der Schottin gezeigt hat, dass sie vermutlich niemals die Chance auf ein Stammcockpit bekommen wird.

In ihrem Abschiedsschreiben wird dies klar:

„Ich kann nur sagen, dass ich alles gegeben habe. Doch frage ich mich heute: Ist die F1 für eine leistungsfähige Rennfahrerin bereit, die auf höchstem Niveau mithalten kann? Ja. Ist dies auch als Frau erreichbar? Auf jeden Fall. Wird dies bald geschehen? Leider nein. Wir sehen uns hier zwei Problemen gegenüber: Wir haben nicht genug junge Mädchen, die schon früh mit dem Kartsport anfangen, und wir haben keine inspirierenden Vorbilder. Dies muss man sich manchmal klar vor Augen führen, um hinter die Dinge zu blicken.“

Ein „inspirierendes Vorbild“, das hätte Wolff sein können. Doch die Schottin hat es am Ende nicht geschafft. Sie bekam kein Stammcockpit und konnte sich nicht behaupten. Sie möchte dennoch weiterkämpfen. Mit der MSA (Motor Sport Association) wird sie eine neue Initiative starten, um junge Mädchen für Motorsport zu begeistern. Sie habe sich getraut, anders zu sein. Habe gewagt, andere Wege zu gehen. Und sie möchte andere dazu inspirieren, es ihr gleichzutun, so die 32-Jährige.

Allerdings kommt spätestens an dieser Stelle der Euphorie-Dämpfer: Derzeit gibt es keine aussichtsreiche Nachfolgerin für Wolff. Lotus-Entwicklungspilotin Carmen Jorda ist zwar hübsch, aber wohl keine potenzielle Stammfahrerin. Und auch sonst konnten sich weibliche Nachwuchstalente bisher nicht hervortun. Vielleicht braucht es doch eine eigene Formel 1 für Frauen…?

Bildschirmfoto 2015-11-06 um 20.47.32

Diese Arbeit, die Wolff nun aufnehmen wird, ist vermeintlich auch ihre bedeutsamste. So kann die Schottin wirken. Denn auch wenn sie im Freien Training in Hockenheim 2014 auf 0,2 Sekunden an Teamkollegen Felipe Massa herankam, die Leistungen reichten schlussendlich nicht. Womöglich wird jedoch dank Wolffs Arbeit in zehn oder 15 Jahren eine Frau in der Formel 1 antreten. Mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung kann Wolff nun etwas ausrichten – im Rennauto selbst konnte sie es nicht.

So wie es bisher überhaupt nur einer Fahrerin gelang, in der Formel 1 Punkte zu holen: Lella Lombardi 1975 im Grand Prix von Spanien. Für ihren sechsten Platz bekam sie einen halben Punkt. Die letzte Frau, die es bisher in ein Renncockpit geschafft hat, war Giovanna Amati. Sie war 1992 für drei Rennen gemeldet, konnte sich jedoch nicht qualifizieren. Maria de Villota, Simona de Silvestro oder nun auch Susie Wolff – alle scheiterten bisher. Wir werden uns wohl noch etwas gedulden müssen, bis wir die erste Rennfahrerin auf dem Siegespodest bejubeln können…

Das schrieb Susie Wolff im Sommer 2015 über Frauen in der Formel 1:

„In meiner Rolle als Testfahrerin für Williams bin ich kurz davor, die gläserne Decke zu durchbrechen, die uns Frauen am beruflichen Aufstieg hindert. Der nachhaltige Fortschritt wird aber erst dann erreicht sein, wenn es nicht mehr als ungewöhnlich gilt, Frauen auf der Rennstrecke (auch gewinnen) zu sehen.“

 

„Es steht außer Frage, dass man als Frau anfangs härter arbeiten muss, um sich den Respekt zu verdienen, da manche einen leichten Zweifel daran hegen, dass man dazu auch fähig ist.“

 

„Wenn du das dann aber einmal geschafft hast, dann geht es nur mehr um die Leistung – und im Motorsport heißt die Leistung „Power“. Die Stoppuhr sieht weder Geschlecht noch Herkunft oder irgendeine andere Klassifizierung; sie sagt dir nur, ob du schnell oder langsam bist. Das ist es, wonach du beurteilt wirst.“

 

„Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mein Frau-Sein als Verkaufsargument für meine Karriere genutzt habe. Warum sollte eine Frau ihre Weiblichkeit leugnen, nur um den Erwartungen der Rennwelt zu entsprechen? Ich bin eine Frau, ich fahre Rennautos und wenn dies einen Vorteil bezüglich Sponsor-Verträgen und Unterstützung bringt, dann immer her damit; ich werde es so gut wie möglich nutzen.“

Nun aber ist der Traum vorbei und all das Frau-Sein hat ihr nicht weitergeholfen, aber Wolff gibt nicht auf: „Mit dem Schließen der einen Tür öffnet sich die nächste Tür. Es geht immer weiter voran.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Alles Gute für die Zukunft, Susie!

Fotocredit: Susie Wolff/Facebook

4 Gedanken zu “Goodbye, Susie!

  1. Gene Stecher schreibt:

    Eine Formel 1 für Frauen wäre eine Bankrotterklärung der Emanzipation. Eine Geschlechtertrennung ergibt nur Sinn, wenn die physischen Unterschiede einen fairen Wettbewerb unmöglich machen. Auf die körperliche Stärke kommt es in der Formel 1 aber nicht an. Dort zählt nur, die Fliehkräfte auszuhalten und Kondition für 1,5 Stunden Rennen zu haben. Der Rest spielt sich im Kopf ab. Wolff, Lombardi, Filippis etc. haben bewiesen dass es geht – und dass auch eine etwaige „Tradition“, die Befürworter einer Frauen-Formel-1 anführen könnten, nicht existiert.

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  2. Da Wolf schreibt:

    Man muss nur über den großen teich schauen. Da sieht man wie es geht. Einheitschassis, Einheitsmotoren bringen echt Action und Spannung zu den Fans. Und die Fans, die gehen auch gerne wieder zu den Rennen vor Ort.
    Auc hat man erkannt, dass sich gewisse Frauen für den Rennsport interessieren, sobald die Emazipation eintritt. Und die Männer: Die waren schon immer an Frauen in einer Männerdomäne der Kritik nicht fern. Ist doch echt traurig, dass wir schon jetzt wissen welches Team den Weltmeister 2016 stellen wird.

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