Ein Mysterium namens Mr. E

Er ist immer noch da. Bernhard Charles Ecclestone, der Fels in der stürmischen Brandung. Er ist in diesen Tagen präsenter denn je. Warum nur?

Zuerst ein gehypter Kurzauftritt beim Camp Beckenbauer via Videozuspielung, dann ein Interview mit Dieter Rencken für Autosport, danach ein TV-Auftritt im Kreml-nahen Sender RT, ein Doppel mit Ex-FIA-Präsident Max Mosley vor ZDF-Kameras, dazu noch ein Interview mit dem Independent, und zuletzt eine Fragerunde zum 85. Geburtstag auf der hauseigenen Website. Es waren stressige Tage für den 85-Jährigen, der auch noch seinen Geburtstag mit seinen Töchtern in Tamara Ecclestones Villa, die sie zu einem Chalet (!) umbauen ließ, (vor-)gefeiert hat.

So viel Bernie Ecclestone auf einmal ist man als Beobachter der Motorsportszene kaum gewohnt. Eigentlich agiert er eher als Spielmacher im Hintergrund, überlässt dabei nichts dem Zufall. Beobachtet man die Auftritte des kleinen Briten, so gibt es zwei Konstanten, die sich durch alle Auftritte Ecclestones wie ein roter Faden durchziehen: Skurrilität und Verwirrung. Würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen, dass Ecclestone unter die Kabarettisten gegangen ist.

„Ich denke nicht, dass er überhaupt hätte zurücktreten sollen, und anklagen sollte man ihn auch nicht, denn nur seinetwegen wird jetzt in vielen Ländern der Welt Fußball gespielt“ – Ecclestone über Sepp Blatter

Mit Aussagen über sein Fußball-Pendant Sepp Blatter und den russischen Präsidenten Wladimir Putin würde Ecclestone wahrscheinlich auch ein erfolgreiches Bühnenprogramm gelingen. Tatsache ist allerdings: Das alles meint Ecclestone ernst.

Im RT-Interview sticht die Härte von Ecclestones Aussagen hervor. Will er seine Machtposition bekräftigt wissen? Was möchte uns der 85-Jährige mit solchen Demokratie-kritischen Aussagen mitteilen? Dass zumindest in der Formel 1 nur eine Scheindemokratie vorherrscht, dürfte jedem klar sein.

Möchte er den neuen Interessenten und möglichen Käufern der 35,5 Prozent von CVC Capital Partners an der FOM (Formula One Management), also an den kommerziellen Rechten der Formel 1, signalisieren, dass er, Mr. E., auch bei der Übernahme durch neue Mehrheitseigentümer an der Macht, also Geschäftsführer, bleiben möchte? Eine höchst fragwürdige Bewerbung.

King Bernie I.

Anscheinend hat er Gefallen an TV-Kameras gefunden, denn kaum hat man sich von den verstörenden Äußerungen im russischen Fernsehen erholt, taucht Ecclestone – diesmal mit seinem guten Freund und „partner in crime“ Max Mosley – im deutschen öffentlich-rechtlichen ZDF auf. Rund eine halbe Stunde philosophieren die beiden alten Bekannten über die Probleme der Formel 1.

Sie kritisieren sich gegenseitig, sie kritisieren den Sport und dessen Struktur – und auch FIA-Präsident Jean Todt gerät unter Beschuss. Man möchte meinen, dass die beiden genau erkannt haben, was falsch läuft. Sie agieren wie zwei Oppositionspolitiker, die die Regierungsarbeit kritisieren. Dabei gibt es nur einen Haken: Die beiden Herren haben jahrelang regiert. Mosley war von 1993 bis 2009 Präsident des Weltautomobilverbandes, Ecclestone sitzt nach überstandenem Bestechungsprozess (er kaufte sich mit der Rekordsumme von 100 Millionen Dollar frei – Ironie Ende) wieder fest im Sattel.

„Mr. Putin is wasting his time in Russia. He should run Europe – completely. Because nobody else is!“ – Ecclestone über den russischen Präsidenten Wladimir Putin

Anlässlich seines 85. Geburtstags am 28. Oktober gab er auch seiner eigenen Website ‚Formula1.com‘ ein Interview. Und ja, es sollten weitere politisch kontroverse Aussagen (siehe oben über Präsident Putin) folgen. Welches Ziel verfolgt der Zampano mit diesen polarisierenden Auftritten? Eine klare Antwort gibt es darauf nicht. Selbst erfahrene Insider kommen zu dem Fazit, dass der ehemals unbedeutende Brabham-Teamchef, der sich durch Diplomatie und Geschick an die Spitze der Königsklasse gesetzt hat, ein kleines Mysterium bleibt.

Fotocredit: Habeed Hameed

2 Gedanken zu “Ein Mysterium namens Mr. E

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