Österreich-Grand-Prix 2015: Die Euphorie ist verblasst

Das zweite Mal. Jahr 1 nach dem großen Volksfest. Die Realität ist nun auch in Spielberg eingekehrt. Ein Rückblick auf den Grand Prix von Österreich 2015.

Das Fenster ist nur ein Stück weit geöffnet. Die Vögel zwitschern in der Dämmerung im Garten. Die feine Brise erfüllt mein Zimmer mit Landluft. Endlich bin ich wieder einmal zu Hause. In Zeltweg.

Das Grand-Prix-Wochenende steht bevor. Ich reise am Mittwoch aus Wien an und kann es kaum erwarten viele bekannte Gesichter in meiner Heimat zu sehen. Ich bin aufgeregt und verspüre ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend. Aber nicht nur das: Ich bin auch skeptisch und gespannt. Wird es in diesem Jahr wieder eine so tolle Stimmung geben wie 2014? Kann man diese überhaupt noch überbieten?

Von vielen Bekannten und Freunden habe ich schon im Vorfeld gehört, dass sie sich im zweiten Jahr das Spektakel nicht mehr ansehen werden. Die häufigsten Begründungen: Überteuerung und Desinteresse. Im Comeback-Jahr war die Neugier größer. Auch Menschen, die sonst eher keine Formel-1-Fans sind, wollten sich einmal ein Rennen ansehen, erleben wie sich so ein Grand Prix der Formel 1 anfühlt. Die meisten sind nicht wegen des Rennens an den Ring gekommen, eher wegen der Stimmung und des Flairs. Und das war 2014 tatsächlich eine Reise wert.

Ich selbst habe gezweifelt: Soll ich mir das Rennen überhaupt live vor Ort ansehen? Am TV-Bildschirm hat man einen besseren Überblick und bekommt mehr mit. Schlussendlich siegt meine Leidenschaft.

Am Freitag bin ich das erste Mal an der Strecke. Es ist ungewöhnlich leer auf den Straßen. Campingplätze rund um das Ringgelände sind noch nicht einmal halb gefüllt. Auch kein Stau auf den Zufahrtsstraßen. Ein gutes Zeichen für alle Autofahrer, aber ein schlechtes für die Veranstalter. Der Andrang ist abgeflacht. Im zweiten Jahr sind es nur noch die eingefleischten und hartgesottenen Fans, die an den Red-Bull-Ring kommen.

Warum? Wenn es etwas gibt, das man den Verantwortlichen nicht vorwerfen kann, dann dass es auch 2015 wieder ein gutes Rahmenprogramm gibt. Konzerte am Freitag- und Samstagabend, wieder eine Legenden-Parade, ein Fan-Village mit Spielereien usw…Doch das Programm wird nicht mehr so gut angenommen. Im Vorfeld wurden sogar Karten an die Anrainer verschenkt.

Bei der Organisation und der Security gibt es im zweiten Jahr Probleme, was aber nicht der Grund für das Ausbleiben von 100.000 Fans im Vergleich zum Vorjahr sein kann. Der Grund ist schlicht und einfach das Hauptprodukt selbst: die Formel 1. Wer sich an der Strecke bewegt, merkt schnell, dass die Formel 1 die Bezeichnung „Königsklasse“ längst nur noch der Tradition wegen trägt. Die GP2- und GP3-Serie sind lauter und bieten auf der Strecke auch mehr Action. Fans sind positiv von den Nachwuchsklassen überrascht, ganz im Gegenteil zur Formel 1. Ein kleines Beispiel: Die McLaren-Piloten Fernando Alonso und Jenson Button werden insgesamt 50 (!) Startplätze zurückversetzt. Nun gibt es aber nur 20 Startplätze in der Formel 1. Kopfschütteln und Unverständnis im Fan-Village.

Es scheint, als wolle sich so manch ein Fan in die Vergangenheit zurückversetzen, denn die Schlange vor dem Merchandising-Truck von Ayrton Senna ist das gesamte Wochenende über die längste. Und sogar Caterham-Basecaps um 15 Euro können noch erstanden werden – man glaubt kaum, wie viele mit einer grünen Mütze herumlaufen. Oder einem Weinglas auf dem Kopf. Oder einer Palme auf dem Rücken (mehr Kuriositäten in der Bildergalerie).

Mein Fazit dieses Heimaturlaubs am Ring: Ich bin schockiert und negativ überrascht. Jeder im Fahrerlager spürt die abflauende Begeisterung in Österreich, und das schon im zweiten Jahr. Die Tribünen sind nicht zur Gänze gefüllt, auch nicht am Rennsonntag. Daher ist auch das rot-weiß-rote Fahnenmeer, das im Vorjahr noch für tolle TV-Bilder gesorgt hat, plötzlich verblasst.

6 Gedanken zu “Österreich-Grand-Prix 2015: Die Euphorie ist verblasst

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