The Iceman returns

Der Fokus liegt plötzlich wieder auf dem kühlen Blonden. Nach Monza 2009 holte Kimi Räikkönen erstmals wieder ein Podium für Ferrari – in Bahrain 2015. Dass der „Iceman“ 2015 überhaupt noch in einem roten Renner sitzt, hätte sechs Jahre zuvor kaum noch jemand geglaubt. Denn die Ablöse durch Fernando Alonso stand hinter vorgehaltener Hand bereits fest. Noch einmal sollte der bis dato letzte Ferrari-Weltmeister von den Tifosi gefeiert werden, bis ein dynamischer und übermotivierter Spanier ins Team schreitet.

Dynamisch und motiviert ist Kimi Räikkönen daraufhin in den Zwangsurlaub und ein Rallyeabenteuer geschritten. Im Nachhinein möchte er kein schlechtes Wort über seinen unfreiwilligen Abgang bei Ferrari Ende 2009 verlieren, betont Räikkönen mehrfach. 2015 findet er eine ganz andere Scuderia Ferrari vor. Personen, die ihn im Weltmeisterjahr von BrawnGP ausbezahlt haben, sind nun nicht mehr an der Macht in Italien. Mit Sergio Marchionne aber vor allem Maurizio Arrivabene hat der „Iceman“ neue Rückendeckung bekommen. Mit einer Bedingung: Die Leistungen müssen 2015 wieder stimmen. Ein annus horribilis (Platz zwölf in der WM-Wertung, kein einziges Podium), wie seine Saison 2014 von vielen Journalisten bezeichnet wurde, darf dem 35-Jährigen nicht noch einmal passieren.

Aus dem Schatten seiner selbst ist er wieder hervorgekrochen. Es läuft rosiger denn je bei Räikkönen – auch privat. Er wirkt gelassener, fokussierter und grundsolide. Trotzdem noch immer hungrig. Hungrig auf seinen 21. Formel-1-Sieg, es wäre der zehnte auf Ferrari. Dass man mit dem SF15-T gewinnen kann, das hat Kumpel und Teamkollege Sebastian Vettel bereits in Malaysia eindrucksvoll bewiesen. Ein an Emotionen kaum zu überbietender Moment, der Vettel gleich viel – wenn nicht mehr – als seine vier WM-Titel mit Red Bull bedeutet hat.

Nachdem Räikkönen in Bahrain fast zu seinem ersten Sieg seit Australien 2013 (damals noch auf Lotus) gefahren, eine eindrucksvolle Vorstellung abgeliefert und die schnellste Rennrunde geholt hat – damit rangiert er nun in der Rangliste gleichauf mit Alain Prost auf Platz 2 mit insgesamt 41 schnellsten Rennrunden – wurde in den sozialen Netzwerken und Fachmedien bereits darüber gerätselt, ob Kimi Räikkönen nun zurück ist? Schafft der coole Finne noch einen Rennsieg? Wird er Vettel gefährlich werden? Und wird sein Ferrari-Vertrag verlängert werden?

Mich haben diese Fragen ein wenig verwundert. Für mich war Kimi Räikkönen nie in der Versenkung verschwunden. Nun wird man mich darauf hinweisen, dass er doch 2014 seine bisher schlechteste Saison gefahren ist und gegen einen Herrn Alonso mehr als alt ausgesehen hat. Ja. Aber Räikkönen war deshalb nie am absteigenden Ast. Wenn es nur eine Sache gäbe, die man an der Karriere des Finnen bewundernswert finden mag, dann wohl die Tatsache, dass er sich immer wieder zurückgekämpft hat. Seine Kritiker hat er schon des Öfteren Lügen gestraft.

In seinen McLaren-Zeiten musste er sich mit vielen technischen Defekten abmühen und wurde daher „nur“ zweimal Vizeweltmeister – sicherlich seine stärksten Jahre in der Königsklasse. Am Zenit seiner Karriere kam er 2007 im Ferrari an, doch schon 2008 (Stichwort Spa-Francorchamps oder Singapur) wurden Räikkönen Motivationsprobleme und Lustlosigkeit vorgeworfen. Fehler schlichen sich vermehrt ein. Zu diesem Zeitpunkt musste er gegen Felipe Massa den Kürzeren ziehen. 2009, fahrerisch wieder erstarkt, war es der misslungene Ferrari F60, der sein Leben erschwerte. Trotzdem immerhin ein Triumph – in Spa-Francorchamps. Es sollte sein bisher letzter Ferrari-Sieg sein. Meine Lieblingspassage im „Iceman returns“-Märchen ist allerdings die Saison 2012. Mit dem Sieg in Abu Dhabi war es ein gelungenes Comeback in die Formel 1 – trotz Mittelfeldteams (Lotus) und einem starken Teamkollegen (Romain Grosjean).

Die Angry-Birds-Daft-Punk-Gold-Schwarz-James-Hunt-Revival-Phase in Räikkönens Karriere verhalf ihm zu seiner Wiedergeburt in der roten Göttin. Hätte man mir Ende 2009 gesagt, dass ein Kimi Räikkönen jemals wieder einen Vertrag mit Ferrari unterschreibt…ein guter Witz! Nun kam es aber doch zu diesem unverhofften Wiedersehen getragen von großen Erwartungen. Schließlich war es immer noch Räikkönen, der den letzten Titel mit den Italienern holen konnte. Das Jahr 2014: Eindeutig ein Tiefpunkt in der Karriere des Finnen. Die tiefste Stelle markiert Silverstone, wo es für den Formel-1-Opa (mit Baujahr 1979 ist er der älteste Pilot im Feld) vorzeitig zu Ende sein hätte können. Eine sture Stute war der F14-T, nicht zu bändigen für den „Iceman“.

Erst kürzlich gab Neo-Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene zu, dass man beim Bau des diesjährigen Ferrari Wert auf die Vorlieben von Räikkönen gelegt habe – eine stabile Vorderachse muss das Auto haben und bloß kein Untersteuern. Vettel hat ähnliche Präferenzen in der Fahrzeughandhabe, für Räikkönen ein weiterer Vorteil.

Und plötzlich spritzt der Finne wieder mit Champagner – zugegeben, es war „Rosenwasser“ in Bahrain – um sich auf dem Podium. Nicht, weil er wie durch ein Wunder seine Form in der Versenkung wiedergefunden hat, sondern weil man bei Ferrari endlich auf die Bedürfnisse eines Kimi Räikkönen eingegangen ist. Sein Grundspeed und sein Talent sind nach wie vor vorhanden, nun bekam der Blondschopf einmal mehr die Möglichkeit diese auszuspielen. Die Anerkennung und Wertschätzung für Räikkönen werden sich in Zukunft für den Weltmeister von 2007 aber auch für die Scuderia positiv bemerkbar machen. Vielleicht auch in einer Vertragsverlängerung für das Jahr 2016. Fazit: Der Iceman ist auch nach einjähriger Eiszeit noch immer nicht aufgetaut.

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3 Gedanken zu “The Iceman returns

  1. Sebastian schreibt:

    „Mich haben diese Fragen ein wenig verwundert. Für mich war Kimi Räikkönen nie in der Versenkung verschwunden.“ – Ähnliches denke ich mir bei dem Medienrummel auch gerade. Kimi ist, was die Medien angeht, ein eher zurückhaltender Typ (zumindest im Rahmen der F1), sodass man von ihm meist nur größer hört, wenn es um Ergebnisse geht. Die mögen in der letzten Zeit vielleicht was rar geblieben sein, was bekanntlich auch an der Technik und anderem lag, doch würde ich ihn deswegen niemals abschreiben.

    Gleiches auch für die Frage, ob er einen neuen Vertrag bei Ferrari bekommt. Im späteren Verlauf der Saison wird sich zeigen, ob die Harmonie zwischen Seb und Kimi bleibt (siehe HAM-ROS 2014 als Beispiel 😀 ), doch allgemein bin ich mir ziemlich sicher, dass er, sollte er es wollen, auch bei Ferrari bleiben kann (und daran habe ich letztendlich auch keine Zweifel). Zum einen ist er noch nicht der älteste, doch ganz erfahren und versteht sich auch mit Vettel ganz gut (und anders herum). Dazu kommt, wie Du schon schreibst, dass er auch auf technischer Ebene mit Seb gut zusammenpasst und da wird man sich in Italien dreimal überlegen, ob man das so einfach auf’s Spiel setzt…

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