Weibliche Königsklasse? Nein, danke!

Frauen sollen in einer eigenen Formel-1-Meisterschaft antreten, so die neueste Idee von Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone. Der Brite weiß, wie man die Motorsportszene in Aufruhr versetzt, so auch bei diesem Thema. Die Genderdiskussion ist in der Formel 1 angekommen. Lieber Frauenquote oder doch sofort eine eigene Serie für Frauen, so wie auch in anderen Sportarten üblich?

Das Problem dabei: Die Idee kommt von einem Mann. Bernie Ecclestone hat eine männerdominierte Königsklasse herangezüchtet. Frauen sind entweder nur nettes Beiwerk in der Boxengasse, als sogenannte „Grid Girls“ oder „Boxenluder“ – oder arbeiten im Hintergrund, zum Beispiel in der Medienbranche. Nun wurden die verrosteten Rollenverständnisse in der Formel 1 zumindest soweit aufgebrochen, als dass wir heute mit Claire Williams und Monisha Kaltenborn zwei Frauen an der Spitze zweier Traditionsteams stehen haben.

Mit Susie Wolff bei Williams und Carmen Jorda bei Lotus haben es derzeit zwei Pilotinnen als Entwicklungsfahrerinnen zumindest auf die Ersatzbank der Formel 1 geschafft. Doch weiter dürfen sie auch schon wieder nicht: Williams hat Wolff in der Person von Adrian Sutil, der erst im Zuge des vergangenen Grand Prix von Malaysia als dritter Fahrer des Teams bekannt gegeben wurde, einen Mann vorgesetzt. Damit steckt die Karriere der Schottin vorerst fest.

Und trotzdem wettert sie gegen die Idee von Ecclestone. Sie meint gegenüber ‚F1i.com‘: „Das wäre absolut keine gute Idee. Erstens weiß ich nicht, wie man genügend Frauen mit ausreichendem Talent finden soll, um eine Startaufstellung zu füllen. Und zweitens habe ich meine komplette Motorsportkarriere als Fahrer bestritten. Warum soll ich also jetzt bei Rennen nur gegen Frauen kämpfen? Ehrlich gesagt würde es mich überhaupt nicht interessieren, bei einem Rennen zu gewinnen, bei dem nur Frauen in der Startaufstellung stehen. Da will ich lieber nicht dabei sein.“

Auch viele andere Pilotinnen haben ihren Ärger über soziale Medien ausgedrückt. Man solle keine Zweiklassengesellschaft einführen, sondern Frauen endlich eine Chance geben. Dem gegenüber steht allerdings die geringe Dichte an potenziellen Formel-1-Kandidatinnen. Denn auch in den Nachwuchsklassen gibt es kaum talentierte Fahrerinnen. Schließlich sollte ein Formel-1-Einsatz mit guten Ergebnissen in Nachwuchsserien gerechtfertigt werden – und nicht mit einem dicken Portemonnaie eines großzügigen Gönners, gutem Aussehen oder einem bekannten Nachnamen.

Daher scheint der Aufbau einer eigenen Frauenliga naheliegend und verständlich. Die weiblichen Fahrer würden mehr Aufmerksamkeit bekommen und hätten eine Bühne, wo sie sich präsentieren und sich vielleicht sogar für ein Cockpit bei den Männern anpreisen könnten.

Warum mir die Idee trotzdem widerstrebt? Sollte eine weibliche Königsklasse eingeführt werden, dann wäre dies eine Abwertung aller Fahrerinnen. Es würde suggerieren, dass sie nicht gut genug sind für die Formel 1, daher steckt man sie eben in eine eigene Klasse, wo sie dann um die silberne Ananas kämpfen können. Rennsiege wären weniger wert und der Aufstieg in die Männerserie noch unwahrscheinlicher. Denn dann könnte einem Mann ein Cockpit weggenommen werden – und das obwohl es sowieso schon eine eigene Frauenliga gibt. Was wollen Frauen dann noch in der Formel 1? Sie würden belächelt werden, vielleicht findet sich eine Make-up-Firma oder Mode-Marke als Hauptsponsor?

Was Frauen wollen? Ernst genommen werden. Und so funktioniert das nicht. Sie wollen am großen Tisch sitzen, mitbestimmen und mitfahren dürfen. Das Ziel für alle Fahrerinnen ist immer die Königsklasse, nicht die Königinnenklasse!

Motorsport ist ein Sport, bei dem vieles zusammenpassen muss, nicht nur die körperliche Verfassung, wie beim Skifahren oder Schwimmen. Wenn der Helm auf ist, dann sieht man die Fahrerin oder den Fahrer nicht mehr. Das Geschlecht beeinflusst auch die Stoppuhr nicht. Körperlich ist ein Formel-1-Auto für eine Frau gleich schwierig zu fahren wie für einen Mann, aber das es funktionieren kann, wurde schon mehrmals bewiesen.

Woran die Frauen-Flaute in der Formel 1 liegt? Durch ein grundsätzlich geringeres Interesse des weiblichen Geschlechts am Motorsport gibt es auch weniger Mädchen, die Kartfahren wollen oder eine Karriere als professionelle Rennfahrerin anstreben. Durch den großen Ausleseprozess in den unteren Kategorien bleibt eine noch kleinere Gruppe an Pilotinnen übrig, die theoretisch für die Formel 1 in Frage kommt. Aber nur weil Frauen eine Minderheit darstellen gleich eine eigene Serie gründen? Kontraproduktiv, aber gut vermarktbar.

Eher sinnvoll wäre es, Frauen in den Nachwuchsklassen zu fördern, um diese Minderheit zu unterstützen. Pilotinnen müssen selbstbewusster auftreten und sich nicht als PR-Gag verkaufen lassen, das haben sie nicht nötig. Sie brauchen keine eigene Serie, um es sich und uns zu beweisen.

 

Update: Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017, Monisha Kaltenborn wurde an der Spitze von Sauber abgesägt und Susie Wolff hat ihre aktive Karriere beendet. Dennoch ist sie dem Sport treu geblieben und hat mit „Dare to be Different“ eine eigene Plattform gegründet, um junge Mädchen für Motorsport zu begeistern und diese zu fördern. Offiziell wird Carmen Jorda übrigens nicht mehr als Teammitglied auf der Homepage des Renault-Teams geführt.

4 Gedanken zu “Weibliche Königsklasse? Nein, danke!

  1. indycar schreibt:

    Im Prinzip stimme ich dir zu 100% zu trotzdem könnte es eine Chance sein denn es würde auf jeden Fall für Aufmerksamkeit sorgen und könnte Sponsoren anziehen und junge Mädchen könnten endlich auch sehen das es Frauen gibt und sie so vielleicht zum kartsport bewegen und der öffentliche druck würde steigen egal ob mit Sponsoren finanziert od nicht das halbe feld besteht sowieso aus paydriver da is es auch schon egal hauptsache drin allerdings müssten wirklich die besten dabei sein patrick und de silvestro wären wohl kaum dazu zu bewegen wer nascar od indycar fahren kann würde zurecht nicht mitmachen  

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