Formel-1-Auftakt 2015 in Jerez: Are you ready?

Heute werden in Jerez de la Frontera, Spanien, die Formel-1-Motoren zum ersten Mal in diesem Jahr gestartet. Die Saison 2015 wird eingeläutet. Alles ist neu, aufregend. Eine Vorschau.

Gentlemen, start your engines. Es geht wieder los. Das Warten hat ein Ende. Die Entzugserscheinungen können bekämpft werden. Die Droge ist wieder verfügbar. Der Herzschlag steigt. Die Hände beginnen zu schwitzen. Ein Kribbeln macht sich in der Bauchgegend breit. Es ist wieder dieser eine Tag gekommen. Der Tag X. Der Tag, auf den man so lange hingearbeitet hat. Das erste Kapitel in einer langen Geschichte. Wie wird der erste Satz lauten? Was wird auf dieser ersten Seite am Ende stehen?

Für manche ist es ein kompletter Neustart. Null. Mehr steht da nicht. Sebastian Vettel zum Beispiel. Der Heppenheimer beginnt bei Null. Ferrari ist seine neue Heimat. In rot wird er ab sofort gekleidet sein. Noch ein ungewohnter Anblick. Eine Schumacher-Kopie? Er möchte seine eigene Erfolgsgeschichte in rot schreiben. Aber gelingt ihm das auch?

Die Vorzeichen stehen denkbar schlecht. Ferrari konnte 2014 nicht überzeugen. Keine Konkurrenz für das alles dominierende Stuttgarter-Modell. Die beiden Weltmeister im Team wirkten blass und müde, nicht mehr die Jüngsten eben. Aber Sebastian Vettel möchte das Ruder herumreißen, er möchte mit der Scuderia Siegesserien à la Schumacher einfahren. 2015 wird ihm das nicht gelingen.

Zuerst muss er sich im Team eingewöhnen, einarbeiten. Der Teamkollege dürfte dabei kein Problem sein. Kimi Räikkönen: Neo-Vater, unauffällig, im Spätherbst seiner Karriere kein Kaliber mehr. Stumpf, abgenützt und nicht mehr allzu hungrig kommt einem der Iceman dieser Tage vor. Er ist im grellen Scheinwerferlicht der Königsklasse Stück für Stück geschmolzen.

Die größte Herausforderung für Vettel wird der SF15-T sein. Das Auto, das ihm Ferrari in diesem Jahr bereitstellt. Eines, das besser sein soll als sein Vorgänger. Dies darf bezweifelt werden. Vettel steht ganz am Beginn seines neuen Projekts. Viel hat er sich aufgebürdet. Wird er dem Druck standhalten?

Bildschirmfoto 2015-02-01 um 01.02.41

Sein Vorgänger hat sich ebenfalls viel vorgenommen. Fernando Alonso ist zu McLaren gegangen. Der letzte Ausweg. Denn die Ehe mit Ferrari ging in die Brüche. Disharmonie beherrschte das letzte Ehejahr. Eine Liebe, die nicht ewig halten wollte. So suchte der Spanier die Flucht nach vorne, und fand sich plötzlich bei einem alten Bekannten wieder. Ron Dennis.

Mit McLaren und Honda soll der dritte Titel her. So lange jagt er ihn schon. Und schon so oft war er nahe dran. In grau, schwarz und rot will man sich als britisches Traditionsteam neu aufstellen. Mit Jenson Button und Alonso hat man zwei Weltmeister, die beide schon lange im Zirkus mitspielen. Sollte der Honda-Antrieb halbwegs mithalten können, dann könnte es etwas werden mit einer hoffnungsvollen Zukunft für Alonso. Wird jedoch nicht nach seinen Regeln gespielt, oder bekommt er nicht das, was ihm versprochen wurde, dann gilt es einen Sicherheitsabstand zum Asturier zu halten. Alonso läuft außerdem Gefahr sein Ablaufdatum zu übersehen.

Max Verstappen. Ja? Sie haben davon auch schon gehört? Verrückt, nicht? 17 Jahr, blondes…Der Holländer wird tatsächlich 2015 in einem Toro Rosso Platz nehmen. Ein junger Wilder, der mit einem ebenso unerfahrenen, um drei Jahre Älteren im Team ist. Franz Tost muss wohl nicht nur Teamchef spielen in diesem Jahr. Der STR10 wurde gestern präsentiert. Es werden keine Wunderwerke aus Faenza erwartet.

Gespannt darf man auf jeden Fall sein, was das Kindergarten-Team 2015 schaffen kann. Auch die beiden Youngsters stehen ganz am Anfang, und zwar ihrer Formel-1-Karriere. Da ist der Einstand umso wichtiger, der erste Eindruck eben. Und der muss stimmen, damit man schnell von der Null wegkommt. Und aufsteigt. Passt man nicht ins Schema oder ist die Entwicklungskurve nicht streng monoton steigend, dann kann man die Koffer packen, Mama anrufen und sich bei ihre ausheulen, weil es eben doch nicht gereicht hat für den ganz großen Wurf.

Von Toro Rosso aufsteigen konnte Daniil Kwjat. Der junge Russe hat einen Raketenstart in der Formel 1 hingelegt. Aber einen, den man beinahe übersehen hat. Mit konstanten Resultaten, aber immer noch weniger Punkten als Teamkollege Jean-Eric Vergne am Konto, gelang ihm die Beförderung ins Schwesternteam Red Bull.

Gegen Daniel Ricciardo wird Kwjat das Nachsehen haben. Der Australier hat eine nahezu perfekte Einstandssaison bei den Bullen hingelegt, drei Siege mit nach Australien genommen. Und Vettel bezwungen. Schon fast vorgeführt. Mit diesem starken Aufwind wird er nur schwer zu bremsen sein.

Das muss nicht unbedingt schlecht sein für Kwjat. Er hat jemanden, zu dem er aufschauen kann. Gleichzeitig einen Kumpel. Einen netten Zeitgenossen, der immer für ein Lächeln gut ist. Red Bull hat ein vielversprechendes Duo. Jetzt muss nur noch der RB11 laufen. In Jerez fährt man mit Tarnlackierung. Der Feind sieht schließlich immer mit. Der Zebra-Look dürfte aber nur eine temporäre Modeerscheinung sein.

Keine kurzweilige Geschichte ist die von Mercedes. Die Silberpfeile haben auch 2015 noch einen Vorsprung – aber wie groß ist der Abstand zur Konkurrenz? Mit ziemlicher Sicherheit werden die Stuttgarter mit dem W06 Hybrid die Saison bestimmen. Außer der Hahnenkampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton gerät tatsächlich außer Kontrolle.

Viele Akteure haben in diesem Jahr gar keine Geschichte mehr zu erzählen. Über den Winter sind sie verstummt. Marussia und Caterham werden es nicht mehr schaffen bis nach Melbourne. Immer wieder gab es noch einen Hoffnungsschimmer. Doch schlussendlich bleiben nur Erinnerungen.

Hinter dem üblichen Tagesgeschäft der Königsklasse schwingt 2015 Ungewissheit mit. Den Sport, aber auch die Zukunft und die Vergangenheit betreffend. Wie wird sich die Formel 1 weiterentwickeln? Was wird passieren? Man stelle sich die eingeschlagene Richtung in fünf Jahren vor. Einbrechende Fanmassen, TV-Quoten und Ticketverkäufe. Steigendes Desinteresse, Regelwirrwarr und Machtgier der Obersten. Aber Kritik ertönt jedes Jahr. Jede Saison wird darüber diskutiert, was alles schiefläuft. Und dann gehen die Ampeln aus und es wird trotzdem weiter gefahren. Es scheint ewig so weitergehen zu können. Die Formel 1, eben ein Phänomen für sich.

Infos zu den Testfahrten vom 1. bis 4. Februar in Jerez

Jerez Test Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4
Mercedes Rosberg Hamilton Rosberg Hamilton
Ferrari Vettel Vettel Räikkönen Räikkönen
McLaren Alonso Button Alonso Button
Red Bull Ricciardo Kwjat Ricciardo Kwjat
Toro Rosso Sainz Verstappen Sainz Verstappen
Williams Bottas Bottas Massa Massa
Lotus Maldonado Grosjean Maldonado Grosjean
Force India
Sauber Ericsson Nasr Ericsson Nasr
Caterham
Marussia

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