Retrospektive: Das war 2014 | Teil 1

Die Saison 2014 liegt hinter uns. Es waren 19 spannende, emotionale Wochenenden. Ich habe mir für meinen diesjährigen Saisonrückblick etwas Besonderes einfallen lassen. Da man auf Wikipedia oder auf anderen Blogs und Seiten die detailiertesten Zusammenfassungen über die gesamte Saison bereits noch am Rennsonntag von Abu Dhabi online lesen konnte, ist es wertlos, wenn ich das einfach auch machen würde. Daher war meine Idee, wirkliche Insider und Kollegen aus der Formel-1-Medienbranche zu befragen. In drei Teilen werden Journalisten und Blogger aus der Szene ihre Gedanken zu den drei immer gleichen Fragen darlegen. Heute beginnen wir mit TV-Moderatorin Tanja Bauer von Sky, Johannes Mittermeier, Formel-1-Blogger, und Sven Haidinger von der Sportmagazin.

 

Was hat dich in der Saison 2014 besonders begeistert?

Tanja Bauer: „Am meisten begeistert hat mich die große Entwicklung von Nico Rosberg über die Saison! Noch vergangenes Jahr hätte ihm niemand den Kampf um den Titel zugetraut. Er hat sich wirklich toll entwickelt und ist am Duell mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton gewachsen. Ich bin schon gespannt, wie er sich kommendes Jahr präsentieren wird.“

Johannes Mittermeier: „Das Comeback des Österreich-GP – und das nicht nur, weil ich Halbösterreicher bin. Ich liebe das: Grüne Wiesen, ein Asphaltband, das sich vor dem Bergpanorama schlängelt, dieses ganz spezielle Flair… Ein Traum! Da gehört die Formel 1 hin.“

Sven Haidinger: „Daniel Ricciardo, der dem vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel in nur einem Jahr bei Red Bull den Rang ablief und damit die Fahrergagen massiv gedrückt hat. Dadurch blieb Vettel nur mehr die Flucht zu Ferrari, wo er weiterhin richtig gut verdient. All das wäre Ende 2013 unvorstellbar gewesen. Ricciardo hatte vor seinem Red-Bull-Aufstieg einen siebenten Platz als Highlight vorzuweisen, war aber nicht nur die gesamte Saison lang schnell und fehlerlos, sondern ließ seine Rivalen im Zweikampf teils wie Anfänger aussehen. Und außerdem habe ich ihn vor einigen Jahren als sehr netten Kerl kennengelernt, der er absolut geblieben ist. Ich gönne ihm den Erfolg.“

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Welchen Moment wirst du so schnell nicht vergessen?

Tanja Bauer: „Die Momente bei Mercedes nach der Kollision von Lewis und Nico in Spa-Francorchamps! Ich hätte niemals gedacht, dass es in der Formel 1 mal so offene Antworten von Teamchefs und Verantwortlichen gibt, wie die von Toto Wolff und Niki Lauda nach dem Rennen in Belgien. Da konnte man die Emotionen im Fahrerlager richtig spüren. Das war ein seltener Moment.“

Johannes Mittermeier: „Die Zweikampf-Orgie von Bahrain. Während der Grand Prix von einem Highlight ins nächste schwappte, saß ich in der Redaktion und musste Agentur-News ins System hacken – mit Sorgfalt und angemessenem Tempo. Kopf und Augen wollten ständig nach links schauen, der Verstand diktierte den rechten Bildschirm. Echte Reizüberflutung.“

Sven Haidinger: „Vermutlich doch, als ich in Spielberg zum ersten Mal in dieser Saison auf der Tribüne saß und Zeit hatte, mir die neuen Motoren anzuhören. Ich habe davor ja schon Schauergeschichten gehört, wollte aber keinesfalls reaktionär an die Sache herangehen. Und doch war ich schockiert: Du kannst dich nebenbei locker unterhalten, die Autos wirken durch diesen laschen Sound langsam und lösen keine Emotionen mehr aus. Vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, wo ich das Erlebnis direkt an der Rennstrecke nicht mehr vermissen werde und mir der Fernseher im Mediacenter absolut ausreicht. Schade!“

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Mit welchem Gefühl gehst du in das kommende Formel-1-Jahr?

Tanja Bauer: „Ich freue mich auf eine weitere Runde zwischen Lewis und Nico im nächsten Jahr. Die beiden werden sich auch 2015 nichts schenken. Und ganz speziell auch auf Sebastian Vettel im roten Ferrari!“

Johannes Mittermeier: „Zwiegespalten. Einerseits kann ich die Präsentation der – hoffentlich wieder ansehnlicheren Boliden – schon jetzt kaum abwarten. Same procedure as every year. Andererseits mache ich mir Sorgen um die Formel 1, weil jeder weiß, dass das System krankt, aber niemand handeln wird.“

Sven Haidinger: „Ich hoffe, dass sich das Mercedes-Duell wiederholt und Nico Rosberg sich durch die Niederlage nicht unterkriegen lässt. Dass die Konkurrenz mit den Silberpfeilen auf Augenhöhe sein wird, halte ich für unwahrscheinlich: Bei allen Top-Teams gibt es Änderungen, bei Ferrari wird so gut wie alles umgestellt. Neben dem Motorennachteil dauert es ja alleine aus Teamsicht eine Weile, bis sich alles eingespielt hat. Und dann wäre da noch die Finanzkrise: Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen endlich aufwachen, nicht mehr nur auf den eigenen Vorteil schauen und dafür sorgen, dass der Sport wieder gesund wird. Aja, sorry: Wir sind ja in der Formel 1.“

 

Und, wie würdest Du diese Fragen beantworten? Hinterlasse die Antworten hier unten in einem Kommentar oder bei Twitter und Facebook!

4 Gedanken zu “Retrospektive: Das war 2014 | Teil 1

  1. Jörg schreibt:

    1. dass man die Mercedes-Jungs frei fahren hat lassen – das war man bei einer solchen Dominanz eines Teams in den vergangenen Jahren anders gewohnt
    2. den Bianchi-Unfall. Quälende Ungewissheit und dann doch die Erleichterung, dass es keine Neuauflage vom 1. Mai 1994 geben wird sind einfach unvergesslich
    3. Enttäuschung und Wut über nur 18 Autos im Grid und einem FIA/FOM-Regelchaos, das zum Zuschauerschwund führt. Obwohl es doch so einfach wäre, guten Formel- und Prototypen-Rennsport der Oberklasse zu gestalten…

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