Die Saison 2014 – Ein Rückblick

von Michael Hintermayer

Die Formel-1-Saison 2014 brachte viele Neuerungen mit sich, zum Teil mit positiven Ausgang, doch leider gab es auch einige schwarze Momente. Die größte Veränderung gab es bei den Autos, statt der Achtzylinder-Motoren kommen nun 1,6 Liter Turbos zum Einsatz. Der Sound, der bis jetzt ein unverkennbares Markenzeichen der Formel 1 war, ist nun dem eines Handstaubsaugers ähnlich. Leider auch von der Lautstärke her. Im Laufe der Saison klangen die Klagen wieder ab, doch auch die Versuche von Mercedes, ein Auspuffendrohr zu bauen, welches einem Eisbecher gleicht, schlugen fehl.

Die Turbos brachten aber auch eine zweite negative Seite mit sich – die enormen Kosten. Zu Ende der Saison setzte ein Szenario ein, welches von vielen befürchtet wurde. Caterham und Marussia konnten durch die enormen Kosten, beziehungsweise die Einnahmenverteilung, welche den großen Teams den Löwenanteil der Einnahmen zugesteht, nicht mehr starten.

Durch die doppelten Punkte beim letzte Saisonrennen in Abu Dhabi wollte man die Rennen spannender machen, doch Mercedes machte dem durch eine Dominanz, wie man sie bisher im Motorsport nur am Gipfel der Quattro-Ära im Rallyesport kannte, eine Strich durch die Rechnung . Die Regelmacher der Formel 1 sind anscheinend über das Ziel hinausgeschossen. Zu viel, zu radikal veränderte sich das Gesicht der Formel 1 innerhalb eines Jahres.

Die Piloten tragen an all diesen negativen Veränderungen keine Schuld, sie machen ihren Job, manche allerdings besser als die anderen. Neben den beiden Mercedes-Piloten stach vor allem ein Mann ins Auge: Daniel Ricciardo. Der „Aussie“ brachte nicht nur durch sein Lachen neuen Wind in die doch etwas biedere Fahrerlandschaft, auch sportlich gesehen war er der Mann der Saison. Gleich in seinem Debütjahr bei Red Bull Racing verschaffte Ricciardo dem als nicht konkurrenzfähig gepriesenem RB10 Flügel und ließ selbst seinen Teamkollegen und viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel alt aussehen.

Zur Lachnummer wurde die Saison von Pastor Maldonado. „Die beste Entscheidung seines Lebens“ wurde zum Flop sondergleichen. Die Rede ist vom Wechsel zu Lotus. Der Wagen mit der „Eiskratzer-Nase“ war von Anfang an zu langsam und zu anfällig. Und wenn das Auto Mal hielt, erledigte Maldonado die Sache selbst und prüfte die Qualität der Leitplanken – sozusagen.

Die zweite Überraschung des Jahres war sicherlich Valtteri Bottas. Der Finne entstieg dem Mittelfeld wie Phoenix aus der Asche und konnte mit der Power des Mercedes-Motors im Heck seines Williams zahlreiche Spitzenplätze einfahren. Und auch der „alte“ Felipe Massa erstarkte im Williams-Team zu alter Kraft und überraschte beim Comeback der Formel 1 in Spielberg mit der Pole-Position.

Natürlich war auch der schreckliche Unfall von Jules Bianchi eines der Hauptthemen. Jedoch war denke ich jedem Motorsportler und Fan bewusst, dass ein schrecklicher Unfall fast nicht vermeidbar, beziehungsweise eine Frage der Zeit war. Jedem Rennfahrer ist bewusst, dass wenn er in seinen Wagen steigt, etwas schief gehen kann. Mit durchaus weitreichenden Konsequenzen. Wenn man etwas Positives aus der Sache lernen kann, dann das der Motorsport im Allgemeinen sehr sicher geworden ist, es aber trotzdem keine hundertprozentige Sicherheit geben wird. Die obersten Rennserien, egal ob Formel 1, die WEC oder die Blancpain Series sind keine Kindergeburtstage. Hier wird Motorsport auf höchstem Niveau geboten, von talentierten schnellen Fahrern, die sich nichts schenken. Und dies bei Geschwindigkeiten, die sich ein normaler Mensch erst gar nicht vorstellen will.

Als besonders traurig wird mir der Abgang von Luca di Montezemolo in Erinnerung bleiben. Mit ihm hat die Formel 1 eine der prägendsten Gestalten verloren – aber auch die Scuderia Ferrari. Vom Rennmechaniker zum Ferrari-Präsident. Das erinnert einen an den „Tellerwäscher zum Millionär“-Mythos. Er war der letzte der alten Garde von Teamchefs die durch ihre Art, ihr Auftreten und ihr Handeln, wie zum Beispiel Eddie Jordan und natürlich Flavio Briatore, die die Formel 1 für immer prägten. Ciao Luca!

Die Bilanz für die Saison 2014 ist im Großen und Ganzen eine „Fifty-Fifty-Sache“. Die Regelmacher und Obrigkeiten der Formel 1 haben viele Fehler gemacht, welche die Teams und die Piloten ausbaden mussten. Jedoch bekamen wir auch einige spannende Rennen zu sehen, Rad-an-Rad-Duelle und eine neue Ära im Rennfahrzeugbau. Letzteres bleibt diskutabel, da die hochkomplexen Motoren und Hybrid-Antriebe nicht nur ein Sound-Desaster sind, sondern auch finanziell fast nicht mehr tragbar. Langsam scheint es an der Zeit zu sein zu hinterfragen, ob der Motorsport die Vorreiterrolle für den PKW-Markt ist oder sein sollte.

So manch gängiger Hybrid-Wagen scheint ausgereifter zu sein, als mancher Formel-1-Bolide. Grund dafür ist das eng gesteckte Reglement, dass auch in einer Zeit der Revolution und Evolution wahre technische Sensationen, wie einen Schwungradspeicher oder sonstige bisher entwickelte Systeme zur Energierückgewinnung, beziehungsweise deren Speicherung gar nicht zulässt. Das „Reglement“ der StVO ist dagegen ein wahres Schlaraffenland der Ingenieurskunst.

Sollte der Motorsport überhaupt dazu dienen, den Wagen der Zukunft mit zu entwickeln? Oder sollten wir die letzten Jahre der brummenden, schreienden und stinkenden mehrzylindrigen Benzinfresser nicht einfach genießen? Das Ende dieser Ära des Automobils naht in großen Schritten. Aber diese Frage bleibt jedem selbst überlassen.

 

Michael Hintermayer ist ein österreichischer Motorsportjournalist und langjähriger Kenner der Szene.

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