Vom Fressen und Gefressen werden

Es geschah schon des Öfteren. Und es wird wieder geschehen. Das Kommen und Gehen ist unaufhaltsam. Manche sind eben stärker, manche schwächer. Manche dem Treiben im Haifischbecken gewachsen, manche eben nicht. Mitschwimmer und leichte Beute, um die geht es derzeit in der Formel 1.

Denn das Teamsterben treibt wieder sein Unwesen. Zuerst war es das Caterham-Team, das klein beigeben musste. Der Insolvenzverwalter hat nun das Sagen in Leafield. Und auch die Mannschaft von Marussia gab vor kurzem die Insolvenz des Teams bekannt. Es war absehbar, aber es hätte verhindert werden können. Denn man sollte an den Ursprung zurückgehen, an die Verlockung, warum diese Teams überhaupt in die kostspielige Formel 1 eingestiegen sind.

Vor allem war es der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley, der eine Kostensenkung anstrebte. Man holte dadurch neue Projekte an Bord, indem man ihnen eine Kostenobergrenze versprach. Der Ist-Zustand zeigt das große Scheitern. Max Mosley ist nicht mehr FIA-Präsident, die Teams HRT, Caterham und Marussia sind nicht mehr in der Formel 1. Die „großen“ Teams haben das Wegsterben der Kleinen getrieben durch ihr großes Ego und den unbändigen (Ehr-)Geiz zu verantworten. Denn durch die Auflösung der FOTA (Formula One Teams Association) ausgelöst durch den Austritt von Ferrari und Red Bull aus eben dieser Organisation, gibt es keinen Zusammenhalt der Teams mehr.

Schon einmal etwas vom RRA gehört? Das Resource Restriction Agreement wurde als faule Halblösung von den Teams initiiert, um der Diskussion um eine Kostenobergrenze entgegenzusteuern und um aktiv zu wirken. Dieses Abkommen beschränkt manche Bereiche der Ressourcen, hat aber kaum Auswirkungen auf die Summen, die von manchen Teams investiert werden. Durch das fehlende Concorde Agreement zwischen den Teams, Bernie Ecclestone und der FIA gibt es weiters keine einheitliche Handhabung der Gewinnausschüttung an die Teams. Ecclestone hat individuelle Verträge mit jedem Team, und ein Abkommen mit der FIA. Extrawurst deluxe also.

>>UPDATE: Bernie Ecclestone gab am Samstagnachmittag in Austin einer erlesenen Runde an Journalisten Auskunft über seine Bestrebungen. Dabei vermeldete der Brite laut ‚auto motor und sport‘: „Ich zerreisse alle Verträge, die ich mit den Teams habe. Und ich wäre bereit, von den Einnahmen dieses Jahres alle Schulden der Teams zu tilgen, soweit sie Lieferanten betreffen. Das Restgeld, würde ich im nächsten Jahr nach einem neuen, gerechteren Schlüssel verteilen. Ab dem übernächsten Jahr würde dann dieser Schlüssel gelten.“<<

Diese Extrawurst für so manch ein einflussreiches Team zeigt sich auch in der Umstrukturierung der FIA. Denn die neu eingeführte Strategiegruppe besteht nur mehr aus sechs Teams. Und nicht den sechs schwächsten, wie man sich ausmalen kann. Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren, Williams und Lotus. Jedes Team hat eine Stimme in diesem Gremium. Ecclestone als Rechteinhaber und Jean Todt mit der FIA haben auch jeweils sechs Stimmen. Die Teams sind also in der Minderheit. Doch haben sie immerhin eine Stimme, im Gegensatz zu den Kollegen im hinteren Teil der Startaufstellung.

Sauber, Force India und Lotus. Die drei Rebellen. In der Pressekonferenz zum Grand Prix von Austin gab es starke Worte von Seiten der drei Teamchefs. Vijay Mallya, Monisha Kaltenborn und Gerard Lopez stehen für drei private Teams, die die Vielfalt dieses Sports aufrechterhalten. Ein Boykott des Rennens in Amerika wurde angedacht. Mittlerweile ist davon aber keine Rede mehr. Neben Caterham und Marussia hätten dann auch die Boliden dieser drei Teams gefehlt. Zehn Autos weniger in der Startaufstellung, das wäre eine mittlere Katastrophe für Bernie Ecclestone und auch für die FIA gewesen. Die sportlichen Regularien des Weltautomobilverbands sehen unter Artikel 5.7 vor, dass das Rennen abgesagt werden würde, wenn weniger als zwölf Autos fahren würden. Mit genau zwölf Autos der übrigen sechs Teams wäre dies gerade noch nicht der Fall. Und trotzdem fühlt man sich zurückerinnert an das Rennen in Indianapolis 2005, mit nur sechs Formel-1-Boliden in der Startaufstellung. Selbst zwölf Boliden wären ein weiteres Negativhighlight für den Sport. Dies ausgerechnet in den USA, der Markt, in den man vermehrt seine Hoffnungen setzt und wo die Begeisterung für die Formel 1 trotz NASCAR und IndyCar in letzter Zeit durchaus gestiegen ist.

Das Problem dabei wäre, das die Teams damit keinen positiven Effekt erzeugen würden – und wahrscheinlich auch nicht das erreichen würden, was sie eigentlich damit bezwecken wollten. Man möchte mehr Geld aus dem Vermarktungstopf des Mr. E., jedoch hat man aus der Not heraus Verträge mit ihm unterschrieben und damit die derzeitige Situation zumindest rechtlich gesehen akzeptiert. Die negativen Schlagzeilen, die man dann mit Sicherheit am Sonntag und Montag auf allen internationalen Titelseiten sehen würde, sie wären für das aktuelle Image der Formel 1 keineswegs förderlich. Es braucht einen anderen Weg, um Ecclestone und Todt aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Die Realität ist diesen Herrschaften anscheinend nicht wichtig, denn: the show must go on!

Fressen und gefressen werden. Nach diesem Prinzip funktionierte die Formel 1 immer schon. Doch die Rahmenbedingungen haben sich über die vergangenen Jahre geändert. Nur mehr wenige Sponsoren sind bereit in das Geschäft einzusteigen (teils aus Unattraktivität, aber auch durch das Werbeverbot für Tabak), das Eccleston’schen Verteilungssystem bevorzugt nach wie vor wenige Teams. Diese investieren auch bei wenig Erfolg Unsummen. Die Kosten stehen in keiner Relation zu den Resultaten. Man möchte sich zum Beispiel gar nicht vorstellen, wie viel Geld Ferrari für 2014 in die Hand genommen hat. Zwei Weltmeistergehälter, ein eigener V6-Turbo-Motor, personelle Veränderungen im Team – und dann zwei zweite Plätze von Fernando Alonso als beste Ergebnisse bisher. Mager beschreibt diese Situation nicht einmal annähernd. Dieses Geld wäre bei Marussia oder Sauber besser aufgehoben gewesen.

Die Regeländerungen für die Saison 2014 sind ein weiterer Punkt, den die schwächeren Teams kritisiert haben. Man versprach sich eine Kostenreduzierung, in Wahrheit wurde für die Entwicklung der neuen Technologie doppelt so viel ausgegeben wie im Vorhinein ausgerechnet. Es war wieder einmal ein positiver Gedanke, der sich in der Umsetzung zu einem Teufelswerk verwandelte.

Um langfristig eine Formel 1 auf höchstem sportlichen und technischen Niveau zu erhalten, müssen sich grundlegende Dinge ändern. Wo sind wir hingekommen? Wie konnte es passieren, dass zwei Teams während der laufenden Saison zahlungsunfähig sind? Was muss noch alles geschehen damit Bernie Ecclestone und Jean Todt ihr System endlich überdenken? Wenn man weiterhin auf die Strategiegruppe setzt, die einen „Unfreeze“ der Motorenentwicklung beschlossen hat, wenn man weiterhin an dem Eccleston’schen Ertragsmodell festhält, und wenn der Weltautomobilverband mit Jean Todt, der eigentliche ein großes Interesse daran haben sollte die Königsklasse zu erhalten, nicht bald aus dem Winterschlaf erwacht, ja dann sieht es düster aus für die Königsklasse des Motorsports.

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