Marie On Tour: Österreich-Grand-Prix Teil 4

Das Grande Finale erwartet einen Formel-1-Fan meist am Sonntag. So auch in Spielberg. Es war angerichtet für einen spannenden Grand Prix von Österreich. Mit Felipe Massa auf der Pole-Position und Valtteri Bottas an seiner Seite auf Startplatz 2 ergab sich ein komplett neues Bild am Start. Und mit Lewis Hamilton und Sebastian Vettel im Mittelfeld war ebenfalls für Spannung gesorgt.

Doch zuerst sollte wieder ein Fußmarsch von einer knappen Stunde auf mich warten. Da die Nacht von Samstag auf Sonntag kaum länger war als die vorherige, war es mir nur recht mich bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein einzugehen. Doch schon nach knapp 500 Metern lauerte wieder ein Highlight dieses Wochenendes auf mich.

In der Kolonne, die am Sonntag mit Abstand am längsten war, hörte ich von hinten einen Italiener heranrollen. Doch auch ein Luxuswagen muss sich an die Straßenverkehrsordnung halten und so deutete der Polizist an der Straßenkreuzung dem Fahrer des grauen Ferrari wild mit Händen und Füßen. Rote Kappe, rotes T-Shirt, dunkle Sonnenbrille, Tattoo am Handgelenk, Beifahrer ebenfalls in rot gekleidet mit Glatze. Ja, das konnte nur einer sein. Kimi Räikkönen irrte sichtlich verwirrt durch die undefinierbaren Handbewegungen des überforderten Polizisten auf steirischen Landstraßen umher. Mark Arnall – Physiotherapeut von Räikkönen – blieb am Beifahrersitz entspannt wie immer. Diese Szene erinnerte mich an Monza 2009, als Räikkönen zufällig gerade bei der selben Kreuzung wie ich mit seinem Maserati zum Stehen kam. Doch damals waren dem Finnen die Verkehrsregeln herzlich egal, denn er drehte mitten auf der Kreuzung einfach um. So etwas darf man angeblich auch nur als Ferrari-Weltmeister auf italienischen Straßen. Schlussendlich fand der Iceman aber beide Male zur Strecke – wie beruhigend.

Nach diesem ersten Erlebnis ging es weiter Richtung Rennstrecke. Wieder vorbei an der Landebahn des Militärflughafen auf dem am Sonntag um die 100 Maschinen landeten. Auch der große Vogel von Bernie Ecclestone war mit freiem Auge zu erkennen. Das gemeine Fußvolk trat den Marsch weiter zum Ring an. Inmitten von Ferrari-Fahnen und Red-Bull-Shirts ging es zur Tribüne.

Nachdem der österreichische Air-Race-Pilot Hannes Arch seine Flugkünste im steirischen Luftraum zur Schau stellte und das Streckenlayout nachflog, wurde es ernst. Nicht für die 22 aktiven Piloten sondern für neun ehemalige österreichische Formel-1-Piloten. Niki Lauda, Gerhard Berger, Karl Wendlinger, Alex Wurz, Dieter Quester, Hans Binder, Christian Klien, Patrick Friesacher und Helmut Marko fuhren mit ihren alten Boliden drei Showrunden. Als Klien mit dem Red Bull aus dem Jahr 2005 um den Kurs fuhr, wurde lautstark applaudiert – der Sound gefiel den Fans.
Und auch die Atmosphäre schien besser zu sein als noch am Freitag. Die Fahnen, die man am morgen auf den Sitzen vorfand, wurden begeistert geschwenkt und als Niki „Nationale“ Lauda zu der Menge sprach, wurde wieder lautstark applaudiert. Was man an der Strecke nicht mitbekam: eine weitere Legende kommentierte das ganze Rennen, nämlich Heinz Prüller zusammen mit Marc Wurzinger im ORF. Da kamen ebenfalls alte Emotionen hoch, wenn man Prüllers Stimme nach langer Zeit wieder einmal zu hören bekam.

Nachdem die Legenden ihre Pflicht erfüllt haben, wurde schon mit einem weiteren typisch österreichischen Trumpf aufgewartet. Andreas Gabalier sang die Bundeshymne vor dem Start. Eine langsame, gefühlvolle Interpretation, die einiges an Diskussion nach sich zieht. Denn Gabalier hatte nicht die aktuelle Version sondern den alten Text gesungen. Die Grünen haben daraufhin einen Beschwerdebrief an den Sänger geschickt.

https://twitter.com/speedy_mary/status/481401643289042944

Das Rennen selbst war nur in den ersten Runden spannend. Da man auf der Tribüne nicht alles mitbekam, wusste man auch nicht über das Problem von Sebastian Vettel Bescheid. Und auch Funksprüche konnte man nicht hören, weshalb das Verfolgen des Rennens viel Denkarbeit verlangte. Aber dennoch ist es immer wieder interessant die Autos live in Action zu sehen. Eine freudige Überraschung war Mark Webber auf dem Siegespodest. Die Einführung der Podium-Interviews war ein kluger Schachzug, denn so bekommen auch die Fans an der Strecke noch ein wenig mehr mit. Den krönenden Abschluss bildete die insgeheime Bundeshymne Österreichs. Und schon hat sich wieder Wehmut eingestellt. Denn mit diesem Lied im Ohr und den Massen von Fans auf der Start-Ziel-Geraden vor Augen wird einem erst klar, dass Österreich wieder einen Formel-1-Grand-Prix hat. Und das er auch schon wieder vorbei ist. Ein surreales Wochenende geht mit Gänsehaut zu Ende. Und mit Vorfreude auf das kommende Jahr. See you next time!

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