Spielberg – Teil 5

Das endgültige Aus für die Formel 1 in Österreich geschah 2003. Nachdem der Vertrag, der 1997 mit sechs Jahren dotiert worden war, ausgelief, sah Ecclestone wohl keine Zukunft mehr in der Steiermark und so verlängerte er auch nicht. Als offizieller Grund wurde das Tabakverbot der EU genannt, doch hinter vorgehaltener Hand wurde spekuliert, dass Spielberg nicht mehr lukrativ genug sei.

Das letzte ausgetragene Rennen auf dem A1-Ring war ein Zwei-Stunden Rennen für Sport-und Tourenwagen am 28. September 2003. Als bisher letzter Sieger auf dem Ring ging Georg Zoltan auf einem Porsche 911 GT3 hervor.

Goodbye F1, Hello Didi !

Der Formel 1-Tross hatte sich nun also aus dem Aichfeld verabschiedet und ließ Österreich hinter sich. Doch wollte man Spielberg nicht ganz verstauben lassen, denn kurz nach dem Schock über den Abzug der Formel 1 kam neue Hoffnung im Namen von Dietrich Mateschitz auf. Der Konzernchef von Red-Bull wollte sich einen Traum verwirklichen und plante in Spielberg eine Motorsport- und Flugakademie. Die Investitionen waren mit bis zu 750 Millionen Euro kalkuliert worden. Doch es gab massive Einsprüche von Anrainern und ein klares „Nein“ von Seiten des österreichischen Umweltsenats. Da man aber inzwischen schon mit den Abrissarbeiten an der Strecke begonnen hatte, stand man im wahrsten Sinn des Wortes vor einem Trümmerhaufen. Red-Bull ließ von seinen Plänen ab und verschwandt vorerst von der Bildfläche.

Da man das obere Murtal jedoch nicht wirtschaftlich sterben lassen wollte, bemühte sich die Landespolitik intensiv um ein Nachfolgeprojekt. Dies war in Form von „Projekt Spielberg Neu“ im Dezember 2004 ins Leben gerufen worden. Sponsoren, wie Red-Bull, KTM, VW und Magna sollten mithelfen eine Prüf-, Test- und Incentivestrecke zu bauen und für die Industrie interessant zu machen. Im September 2005 wurde von allen Sponsoren eine Absichtserklärung für Finanzierung, Durchführung und Inbetriebnahme unterzeichnet. Der Baubeginn war auf 2007 dotiert. Doch auch dieses Projekt war trotz positiver Umweltverträglichkeitsprüfung zum Scheitern verurteilt, als VW 2007 seinen Ausstieg bekannt gab. Nachdem Red-Bull vergebens um neue Partner für das Projekt geworben hatte, musste man am 4. Februar 2008 das Projekt endgültig als gescheitert verurteilen.

Nach langem Hin- und Her überraschte die Kleine Zeitung am 3. April 2008 alle mit einem Artikel wonach Mateschitz ein neues Projekt in Planung haben soll- die Renovierung der alten Strecke mit Option auf Anschließung der alten Westschleife.

Viele Zeitungen stürzten sich auf die neuen Meldungen bezüglich der Wiederinbetriebnahme des Rings in Spielberg. Noch 2008 schrieb der Kurier, dass „Spielberg Neu“ eine beispielhafte Geschichte für „das lange Scheitern“ sei. In einem anderen Bericht wird der Stellvertretende Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer zitiert, dass man die Nerven immer erst ganz zum Schluss wegwerfen dürfe. Womöglich hatte er schon eine Vorahnung, dass das langwierige Projekt in Spielberg doch noch einen guten Ausgang haben könnte.

„Investoren bremsen „Spielberg Neu“ aus

Das Millionen-Projekt am ehemaligen A1-Ring steht unter keinem guten Stern. Wenn überhaupt, wird es nun in weit kleinerer Version realisiert.

Das Projekt Spielberg ist tot.“ Mit steinerner Miene verkündeten der steirische Landeshauptmann Franz Voves, sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer und Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann am Montag das Aus für das 150-Millionen-Euro-Projekt am ehemaligen A1-Ring.
Die potenziellen Investoren rund um Red Bull hatten der Landesregierung zuvor mitgeteilt, dass ein Projekt auf Basis des vorliegenden Geschäftsmodells wirtschaftlich nicht umsetzbar sei.

Voves zeigte sich „maßlos enttäuscht und empört“ und wunderte sich, dass man erst jetzt erfahren habe, dass der UVP-Bescheid für die geplante Nutzung offenbar nicht ausreiche.
Landesrat Buchmann räumte ein, dass der UVP-Bescheid zwar tatsächlich unter anderem weniger Veranstaltungstage beinhalte und daher nicht ganz dem Stand des Projektes entspreche, dies aber akkordiert gewesen sei: Im August 2007 sei mit Red Bull und einem Vertreter der Bürgerinitiativen vereinbart worden, dass mit 85 Veranstaltungstagen „alle Bedingungen der Investoren ausreichend erfüllt sind“.

Schützenhöfer erklärte, dass man „die Nerven immer erst ganz zum Schluss wegwerfen“ dürfe, er sei „mehr als irritiert“, dass der Hauptinvestor heute nichts davon wissen habe wollen, was abgesprochen war. Er habe die Investoren aufgefordert zu sagen, „ob sie sich zizerlweise vom Projekt verabschieden wollen.“ Red Bull, Magna und KTM hätten daraufhin signalisiert, dass sie weiter eine „Art Projekt“ wollten, der Ausgang sei aber offen.

Immer kleiner

Von Investorenseite war inoffiziell zu hören, dass sich aus den Auflagen des Umweltbescheides „erhebliche Einschränkungen“ ergeben. Mit der Auflage etwa, dass an einem Tag nicht mehr als 25.000 Besucher zu einer Veranstaltung kommen könnten, könne man keine Formel 1-Rennen veranstalten. Ein neues Projekt müsse wohl um „mehr als die Hälfte redimensioniert werden“.

Von den Investoren, die 2005 eine Absichtserklärung unterschrieben hatten, gab VW im Sommer vorigen Jahres den Ausstieg bekannt. Dies zog eine neuerliche Interessentensuche sowie eine Überarbeitung des Businessplans mit sich. Wobei „Spielberg neu“ nach der Abweisung der UVP für das ursprüngliche Red Bull-Projekt durch den Umweltsenat 2006 ohnedies stark redimensioniert worden war.

Als Worst-Case-Szenario wird nun die Wiedererrichtung der 2004 teilweise abgebrochenen alten A1-Ring-Rennstrecke gesehen, wozu sich Red Bull-Chef Mateschitz verpflichtet hat. Sollte dies nicht gewünscht werde, ließ er am am Montag wissen, „können wir den Ring auch jederzeit an das Land zurückgeben“.“
– Artikel vom 04.02.2008 19:18 | apa | aho

2010 sahen die Meldungen schon ganz anders aus. Der Kurier titelte am 30.12.2010 „Mateschitz auf der Zielgeraden“ und die Kleine Zeitung titelte am 16.11.2010 „Holt Mateschitz nun den Grand Prix zurück?„. Diese Frage beantwortete Mateschitz selbst schlichtweg mit „utopisch“, jedoch scheint es angesichts eines Besuches von Bernie Ecclestone und Charlie Whiting, der FIA-Renndirektor, der sich selbst ein Bild von der neuen alten Strecke machen wollte, nicht ganz abwegig. Zumindest wurde die Strecke mit der Formel 1-Lizenz prämiert. Sicher sind die Eröffnung am 14.- und 15. Mai und der DTM-Lauf am 4. bis 6. Juni 2011.

„Mateschitz in der Zielgeraden

Nach sechsjährigem Zank und Hader ist es 2011 endlich so weit. Am Red Bull-Ring heulen wieder die Motoren.

Letztes Update am 30.12.2010, 19:23

Der gute alte Österreichring ist umgetauft: Von A1 auf Red Bull. Getränkemulti und Sportzampano Dietrich Mateschitz steht mit seinem Projekt in der Zielgeraden. „Die Bauarbeiten sind abgeschlossen. Jetzt kommt noch das Fine tuning“, bezieht sich Ring-Geschäftsführer Thomas Tebbich auf die Innenausstattung des Boxengebäudes mit VIP-Lounge und Medical Center.

„Die Rennstrecke ist technisch auf die Formel 1 ausgelegt“, sagt Tebbich. Und fügt gleich hinzu: Testfahrten der Red-Bull-Teams könne er noch nicht bestätigen. Dass sich im Aichfeld je wieder die Formel 1-Boliden um die Poleposition matchen, bleibt in Konkurrenz zu Asien, Europa und Übersee aber unwahrscheinlich.

Auftakt

Die DTM kehrt zurück. Ab 3. bis 5. Juni heulen die Motoren der Tourenwagen meisterschaftlich auf. Neben anderer aktionsgeladener Motorsportauftritte werden Fans eine offene Boxengasse vorfinden, Fahrerlager-Tickets kaufen können, über das Fan-TV nah dran sein, Konzerte und Autogrammstunden erleben.

Im Frühjahr wird es eine Zeremonie um die offizielle Ringeröffnung geben. Zeitpunkt? Noch geheim, wie so vieles bei Mateschitz‘ Unternehmertum. Mindestens 70 Millionen € werden investiert. Das Land Steiermark wird EU-konform bis zu 9 Millionen € zuschießen.

 Offroad

Zwei Offroad-Strecken auf 500 Hektar sollen die Jahresauslastung garantieren und auch der Industrie für technische Entwicklungen offen stehen. Motorradrennen wird es auch geben, möglicherweise auch Superbike-Veranstaltungen.

Mateschitz verfolgt eine touristische Gesamtstrategie. Vier Hotels wurden zwecks Qualitätsoffensive erworben, ein Country Club mit Pferdesport ist im Plan. Eine Mineralwasserquelle samt dem Schloss Thalheim nennt der Getränkebulle auch schon sein Eigen. Die Therme der Gemeinde Fohnsdorf, derzeit vom Finanzdesaster gebeutelt, passt auch ins Konzept. „Es wird am Gelände auch wieder Großkonzerte geben“, kündigt Tebbich an.“
— Artikel vom 30.12.2010 19:00 | KURIER | Ulrike Jantschner |

Fotocredit: Samo Vidic/Red Bull Content Pool

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