Spielberg – Teil 3

Im Jahr 1987 geschah etwas Einmaliges und Skurriles zugleich. Schon im Vorfeld gab es einen spektakulären Unfall. Im Training verirrte sich ein Reh auf die Strecke und kollidierte mit Stefan Johansson, der mit 250 km/h angerast gekommen war. Die Folge war ein Totalschaden am McLaren und ein Peitschenschlag-Syndrom bei dem Schweden.

Am Rennsonntag wurde um Punkt 14 Uhr der Formel 1- Lauf gestartet. Doch es geschah gleich danach ein Unfall auf der Start-Ziel-Geraden. Es musste nochmals gestartet werden. Doch auch der zweite Versuch scheiterte an einer Massenkarambolage ausgelöst vom langsam startenden Nigel Mansell. Nachdem die Unfallautos beseitigt waren, gab es grünes Licht für einen dritten Start. Dieser glückte nun endlich und das Rennen konnte planmäßig abgehalten werden. Am Ende gewann sogar der Unfallverursacher Nigel Mansell. Es ereignete sich jedoch ein Missgeschick bei dem der Sieger zu Schaden kam. Die ersten Drei wurden mit einem Geländewagen zu dem Podium gebracht. Nigel Mansell, Nelson Piquet und Teo Fabi, die zweiter und dritter geworden waren, standen an Deck des Wagens. Als der Wagen in eine Durchfahrt einbog, stieß sich Mansell mit voller Wucht seinen Kopf an einer Eisentraverse, sodass er zu Boden ging.

Aufgrund der drei Startversuche und zu hoher steuerlicher Abgaben an Österreich, entzog Bernie Ecclestone dem Österreichring die Formel 1- Lizenz erneut. Auch die Entziehung der Landegenehmigungen für Privatjets am Flughafen Zeltweg-Hinterstoisser, sodass nur mehr Graz angeflogen werden konnte, war maßgeblich entscheidend für den Rückzug.

Von 1987 an gab es in Spielberg keine Aussicht mehr darauf, je wieder Gastgeber von Großveranstaltungen, wie zum Beispiel der Formel 1, zu werden. Bernie Ecclestone war auch nur mäßig daran interessiert wieder in die Steiermark zurückzukehren. Er forderte Unsummen an Investitionen für eine Erneuerung und Modernisierung des Rings.

„Eher wird Gerhard Berger Weltmeister, als dass Österreich wieder einen Grand Prix bekommt.“
– Bernie Ecclestone

Doch die Hoffnung wurde noch nicht aufgegeben und so sollten Jahre des Verhandelns und des Feilschens folgen. 1994 war der erste Anstoß für eine Rückholaktion der Formel 1 gegeben worden. In Graz trafen sich hochkarätige Namen, wie Niki Lauda und Helmut Marko, mit dem damaligen steirischen VP-Landesrat Gerhard Hirschmann, der die Formel 1 wieder nach Österreich holen wollte. Auch Gerhard Berger wurde ins Boot der Verhandlungen geholt. Berger war es auch, der den Draht zu Ecclestone herstellte. Dieser wollte zuerst Vorschläge sehen, um dann entscheiden zu können. Berger und Christof Ammann, der Besitzer eines Ticketbüros und einer Security-Firma, schmiedeten Pläne rund um die Neugestaltung des Rings. Es sollten einige Veränderungen am Kurs vorgenommen werden. Von 5,942 Kilometer sollte er auf rund 4,3 Kilometer verkürzt werden.

„Vor der Steigung zum Hella-S sollte die neue Strecke im rechten Winkel hinauf zum Schönberg abbiegen. Der Waldhügel sollte zur riesigen Natur-Tribüne werden, der alte Streckenteil hinten in Flatschach war für Parkplätze vorgesehen. Die alte Bosch-Kurve musste nach innen versetzt werden, aus der langgezogenen Rindt-Kurve sollten zwei Kurven, die Start- und Ziel-Gerade […] verbreitert und brettleben planiert werden. Um die 220 Millionen Schilling sollte das alles kosten.“
– Pototschnig, Gerald & Zwickl, Helmut (o. J.). Das Ring Buch. Graz: Styria Verlag. S. 131.

Die Kosten stiegen jedoch noch weiter und auf einmal war sogar von 500 Millionen Schilling die Rede. Die Verhandlungen mit Ecclestone waren knallhart und 1995 resignierte auch Gerhard Berger.

„Solange Ecclestone in der Formel 1 etwas zu sagen hat, wird es in Österreich keinen Grand Prix mehr geben.“
– Gerhard Berger

Doch Landesrat Hirschmann wollte noch nicht aufgeben und holte mit dem damaligen Spielberger Bürgermeister Siegbald Zeller eine neue treibende Kraft. Mit seiner Hilfe verhandelte Hirschmann einen neuen Vertrag mit Ecclestone aus. Dieser enthielt neue Bedingungen und auch die Sechs-Jahres-Klausel, wonach es eine Garantie für sechs Jahre Formel 1 in der Steiermark geben sollte. Nach einer hitzigen Debatte im steirischen Landtag und einiger Überzeugungsarbeit von Seiten des Herren Hirschmann, wurde am 17. Oktober 1995 der Vertrag mit Ecclestone unterzeichnet. Nach nur 280 Arbeitstagen war die Strecke rund um modernisiert und bereit für die Formel 1. Ab 1997 heulten wieder die Motoren am neuen A1- Ring. Die Umbenennung erfolgte durch den Sponsorenvertrag mit dem Mobilfunkbetreiber A1- mobilkom.

 

Fotocredit: HOCH ZWEI / Ronco

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