Spielberg – Teil 2

Am Flughafen Zeltweg-Hinterstoisser wurde mit Spannung der erste Formel-1-Lauf mit WM-Lizenz erwartet. Am 23. August 1964 hatte das Warten ein Ende. Die Strecke war drei Kilometer lang und der Streckenrekord wurde von Graham Hill in 1:09:08 Minuten aufgestellt. Das Rennen gewann Lorenzo Bandini auf Ferrari nach zwei Stunden und sechs Minuten. Die Strecke selbst war jedoch nicht für die filigranen Autos der Formel 1 geeignet und so schieden elf von 20 Autos wegen Defekten auf Grund der Buckelpiste aus.

Phil Hill hatte einen schweren Unfall, der wahrscheinlich durch ein Lenkversagen verursacht worden war. Er flog mit seinem Werks-Cooper in die Strohballen, die sich sofort entzündeten. Dies hatte eine Explosion zur Folge, wovon man den Rauch über dem ganzen Aichfeld sehen konnte. Die ungeeignete Strecke war auch der Grund dafür, dass dies das einzige Formel-1- Rennen auf dem Flughafengelände werden sollte. Die Formel 1 verabschiedete sich vorerst aus dem Aichfeld. Es gab trotz des Abzugs der Formel 1 noch kleinere Rennen am Flughafengelände. 1965 fand ein 200 Meilen-Sportwagenrennen statt. Hierbei ging Jochen Rindt als Sieger auf einem 250 LM Ferrari hervor. Auch in den Folgejahren bis 1968 fanden internationale Flugplatzrennen in Zeltweg statt.

Der fieberhafte Versuch die Formel 1 wieder ins Aichfeld zu holen, stützte sich auf der Idee einer permanenten Hochgeschwindigkeitsstrecke. Die Initiative für dieses Projekt kam von Gustav Tiroch, ein Knittelfelder Rechtsanwalt, der als Präsident des STMSC (Steiermärkischer Motor-Sport-Club) die treibende Kraft war. Großer Konkurrent war damals ÖASC (Österreichischer Automobil-Sport-Club) Präsident Willy Löwinger, der in Salzburg ebenfalls einen Kurs bauen wollte. So begann ein Konkurrenzkampf um die Formel 1 und um den Austragungsort des internationalen Motorsports in Österreich.

Schlussendlich „gewann“ der Österreichring in Spielberg bei Knittelfeld, da dieser schneller fertiggestellt worden war und sich bereits die Rechte an dem Formel 1-WM-Lauf 1970 gesichert hatte. Die Baukosten für dieses Projekt beliefen sich auf 25 Millionen Schilling. Am 27. Juli 1969 war die Sternstunde gekommen und der Österreichring wurde von Landeshauptmann Josef Krainer sen. eröffnet. Der Salzburgring wurde erst rund zwei Monate später am 21. September. 1969 eröffnet.

Mit der Fertigstellung des neuen Österreichrings und mit dem Aufstieg von Jochen Rindt im internationalen Motorsportgeschehen war ganz Österreich im Formel-1- Fieber. Das erste Großereignis, das auf dem neuen Kurs ausgetragen worden war, war der Staatsmeisterschaftslauf der Tourenwagen am 26. und 27. Juli 1969. Dieses Rennen gewann der Österreicher Helmut Marco auf einem Camaro. Nach einigen anderen Rennen wurde 1970 das erste Formel 1-Rennen mit WM-Status auf der neuen Strecke ausgetragen. Am Sonntag dem 16. August kamen über 100.000 Zuseher um den Sieg von Jochen Rindt mitzuerleben, doch es kam anders. Rindt hatte sich zwar am Vortag die Pole gesichert, im Rennen musste er jedoch nach dem Versagen seines Motors, mit dem er das Rennen zuvor in Hockenheim gewonnen hatte, aufgeben. Den Sieg holte sich Jacky Ickx vor seinem Teamkollegen Clay Regazzoni; beide fuhren für Ferrari.

Pleiten, Pech und Pannen

Die Formel 1 sollte nun für 17 Jahre im Aichfeld zu Gast sein. Dabei ereignete sich so mancher Fauxpas, aber auch Skandale und Dramen blieben nicht aus.
 Am 17. August 1975 sollte wohl das traurigste Ereignis in der Geschichte des Österreichrings geschehen. Nach fünf reibungslosen Grand Prix geschah beim Aufwärmtraining zum 6. Österreich GP das Unfassbare. Der US- Amerikaner Mark Donohue verunglückte auf Grund eines Reifenplatzers tödlich. Er verlor im Rechtsknick nach dem Raiffeisen-Hügel die Kontrolle über sein Fahrzeug und schlug ungebremst in die Streckenbegrenzung ein. Er wurde mit schweren Schädelverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, doch erlag er selbigen drei Tage später. Er ist bis heute der einzige Formel-1-Fahrer, der auf dem Ring tötlich verunglückte.

Doch der 17. August 1975 sollte auch noch für eine ganz andere Überraschung sorgen. Der WM-Lauf wurde zu einem gefährlichen Regenrennen und der Italiener Vittorio Brambilla fuhr mit viel Risiko und Geschick zu seinem ersten und einzigen GP- Sieg. Doch als er die Hände nach der schwarz-weiß karierten Flagge vom Lenkrad gab um zu jubeln, kam sein Wagen ins Schleudern und auf Grund von Aquaplaning schlug das Auto mit dem Frontflügel in die Boxenmauer ein. Somit ist er bis heute der einzige Sieger eines Formel 1- Rennens, der nach der Zieldurchfahrt verunglückte.

Nach dem schweren Unfall von Niki Lauda 1976 am Nürburgring bangte ganz Österreich um ihren Nationalhelden. Er würde beim Österreich GP nicht an den Start gehen können und damit prognostizierte man ein klares Defizit für das Jahr 1976. Tatsächlich kamen viel weniger Zuseher und Ferrari zog seine Teilnahme an dem Grand Prix zurück. Sieger wurde damals John Watson auf Penske.

Eine Kuriosität ereignete sich 1977, als am 14. August der Australier Alan Jones in einem Shadow-Ford überraschend das Rennen gewann. Bei der Siegerehrung passierte ein Missgeschick, denn da die Australische Hymne nicht parat war, spielte die Kapelle einfach eine Improvisation.

Die Highspeed-Strecke war im Jahr 1980 kurzzeitig sogar die schnellste Strecke der Welt. Dieses Kunststück war René Arnoux mit seiner Pole-Runde gelungen. In 1:30:27 Minuten und mit einem Schnitt von 236,9 km/h raste er mit seinem Turbomotor als Schnellster über den Kurs.

Im Jahr 1982 gab es wohl die spannendste Zieldurchfahrt in der Geschichte. In Führung lag Elio de Angelis auf Lotus, doch der zweitplatzierte Keke Rosberg auf Williams machte Runde für Runde Boden auf den Führenden gut. Es kam zum Duell in der letzten Runden und in der letzten Kurve startete Rosberg seinen Angriff auf de Angelis, doch dieser blieb vorne und gewann das Rennen mit einem Hauch von einem Vorsprung; fünf Hundertstelsekunden fehlten Rosberg am Schluss.

Der einzige Heimtriumph eines Österreichers in Spielberg gelang im Jahr 1984 Niki Lauda. Doch es war ein schwieriges Unterfangen, denn am Schluss des Rennens streikte der Motor seines McLaren-Porsches und nach bangen Sekunden rettete er doch noch den Heimsieg.

 

Fotocredit: Renault Sport F1

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